Übergewicht beim Hund
Schlanke Hunde leben länger, Teil 1 des Interviews
Das ist ja ein dicker Hund! Worin liegen die Ursachen für Übergewicht beim Hund und wie kann man vorbeugen? TIER.TV hat nachgefragt. Tierärztin Cornelia Ewering berät als Ernährungsexpertin den Futtermittelhersteller Mars Petcare.
TIER.TV: Frau Ewering, ist Übergewicht beim Hund tatsächlich ein Thema oder wird damit eine Randerscheinung aufgebauscht?
Cornelia Ewering: Übergewicht beim Hund ist tatsächlich ein ernstzunehmendes Problem. Studien in den USA, Europa und Australien gehen davon aus, dass 25 bis 40 Prozent der Hunde zu dick sind. Das bedeutet, dass jeder dritte Hund in Deutschland übergewichtig ist. Tendenz eher steigend. Diese Entwicklung bereitet Experten Sorgen, denn Übergewicht ist nicht nur ein ästhetisches, sondern vor allem auch ein gesundheitsrelevantes Thema.
TIER.TV: Woran erkenne ich als Halter überhaupt, ob mein Hund zu viel auf die Waage bringt? Ab wann spricht man von Übergewicht beim Hund und gibt es ein „Idealgewicht“?
Cornelia Ewering: Übergewicht definiert sich wissenschaftlich als 20 Prozent mehr als das so genannte Sollgewicht. Das Sollgewicht festzulegen ist nicht ganz einfach, weil es aufgrund verschiedener Einflussfaktoren variieren kann. Praktisch muss für jeden Hund das zu erzielende Sollgewicht individuell festgelegt werden, am besten mit dem behandelnden Tierarzt. Unsere praktische Empfehlung lautet: Mit dem Auge, mit der Waage und mit der Hand füttern! Überprüfen lässt sich das durch folgende Fragen: Kann ich von oben eine Taille sehen, sind die Rippen mit wenig Druck deutlich fühlbar, hat mein erwachsener Hund in den letzten Wochen kontinuierlich mehr Kilogramm auf die Waage gebracht? Es gibt spezielle Programme, mit denen der behandelnde Tierarzt gemeinsam mit dem Tierhalter für den jeweils vorgestellten Hund nicht nur den momentanen Körperzustand identifizieren kann, sondern auch erforderliche Korrekturmaßnahmen absprechen kann.
TIER. TV: Was sind die Ursachen für Übergewicht beim Hund? Gibt es Stoffwechsel-Gründe oder ist es in der Regel Überfütterung?
Cornelia Ewering: Bei der Entstehung von Übergewicht beim Hund spielen verschiedene Faktoren eine Rolle, beispielsweise Rasse, Alter, Geschlecht, Kastration, Bewegung, Medikamente oder endokrine (hormonelle) Erkrankungen. Letztlich ist die zentrale Ursache aber stets die Aufnahme von mehr Kalorien, als der Hund verbraucht.
TIER.TV: Stichwort „Futter“: Was empfehlen Sie als Expertin? Welches Futter ist das richtige um Übergewicht beim Hund zu vermeiden?
Cornelia Ewering: Sowohl Feucht- als auch Trockenfutterprodukte können eine vollwertige und ausgewogene Ernährung bieten. Einige Hunde werden ihr Leben lang nur mit einer Produktart gefüttert. Immer mehr Hundehalter bieten ihrem Hund eine Mischfütterung an, also sowohl Feucht- als auch Trockennahrung. Bei dieser Fütterungsart kommen dem Hund die Vorteile beider Futtersorten zugute. Denn Feuchtnahrung (Dose oder Schale) liefert Feuchtigkeit, einen relativ hohen Gehalt an tierischen Proteinen – was der Hund als Beutetierfresser bevorzugt –und eine Vielfalt an Geschmacksrichtungen und Texturen. Trockenfutter dagegen bietet knusprige Bröckchen und mehr Kohlenhydrate aufgrund des höheren Getreidegehaltes. Daher ist eine Mischung aus beiden Futterarten optimal. Ein hoher Feuchtigkeitsgehalt in der Ernährung kann beispielsweise das Risiko von Harnwegserkrankungen reduzieren.
TIER.TV: In Bezug auf Übergewicht beim Hund, welches Mischungsverhältnis von Feucht- und Trockenfutter empfehlen Sie?
Cornelia Ewering Cornelia Ewering: Legt man das Gewicht des Futters zugrunde, dann hat Feuchtnahrung etwa 20 Prozent der Kalorien von Trockennahrung. Deshalb können Hunde häufiger vergleichsweise große Mengen Feuchtnahrung zu sich nehmen, bei einer relativ geringen Kalorienzufuhr. Die Zugabe einer kleinen Menge Trockenfutter sorgt für knusprige Abwechslung und unterstützt die Zahnpflege. Wir empfehlen ein Verhältnis von 50 zu 50, also jeweils die Hälfte der für den Hund angegebenen Menge Feuchtnahrung und die Hälfte der angegebenen Menge Trockennahrung pro Tag zu verfüttern.
TIER.TV: Und „Biologisch Artgerechtes Rohes Futter“ – kurz BARF? Befürworten Sie die Rohfütterung oder haben Sie dagegen Bedenken?
Cornelia Ewering: Anhänger dieser Rohfütterung sind überzeugt, dass die natürliche Ernährung eines Tieres in der Wildnis auch die ideale Ernährung für Heimtiere darstellt und versuchen, ihrem vierbeinigen Hausgenossen eine ähnliche Kost zu bieten. Aber: Die Rohfütterung stellt ein gesundheitliches Risiko für Hunde und ihre Halter dar, denn Rohfleischfütterung bietet keine Garantie einer vollwertigen und ausgewogenen Ernährung. Rohe Fleischkomponenten können mit Salmonellen oder Parasiten befallen sein. Die Fütterung von rohem Fleisch birgt außerdem ein hohes Sicherheitsrisiko, denn die darin enthaltenen Knochen können Zähne beschädigen, sowie zu Erstickung oder Darmverschluss beitragen.
TIER.TV: Zurück zum handelsüblichen Nass- und Trockenfutter. Welche Mengen davon sollte man eigentlich verfüttern?
Cornelia Ewering: Die Angaben auf der Verpackung sind lediglich ein Anhaltspunkt für die Fütterungsmenge. Die tatsächlich benötigte Futtermenge kann sogar innerhalb der Wurfgeschwister einer Rasse um bis zu 50 Prozent nach oben und bis zu 20 Prozent nach unten abweichen. Das macht es für Hundehalter nicht unbedingt einfacher.
Hier geht es zu Teil 2 des Interviews zum Thema "Übergewicht beim Hund" mit Cornelia Ewering.
Unverständnis und Ursachenforschung
ÖKO-TEST: Das sagen die Hersteller
Was sagen die Futtermittelhersteller zum aktuellen ÖKO-TEST "Diät- und Lighthundefutter" und wie gehen sie mit den Ergebnissen um? … »
Gen-Soja im Futternapf
Wie gefährlich sind GVO für Hunde?
In Heft 4/2011 hat ÖKO-TEST einen Blick in heimische Fressnäpfe geworfen und gentechnisch veränderte Bestandteile (GVO) in Diät- und Lightfutter für Hunde gefunden. Doch was ist GVO eigentlich? TIER.TV klärt auf. … »
Grillparty mit Hund
Grillen mit dem Vierbeiner
Sommer, Sonne, Grillsaison! Die Steaks sind gekauft, die Kühlbox ist gepackt. Selbstverständlich will auch der Hund beim Grillen dabei sein. Aber Vorsicht: Bei leckerem Geruch von Fleisch und Grillwürsten vergisst selbst der artigste Vierbeiner seine gute Erziehung. … »
Selbstgebackenes zum Fest
Knusprige Osterkekse für Hunde
Warum verwöhnen Sie an Ostern Ihren Vierbeiner nicht mit knusprigen Osterkeksen? TIER.TV hat ein Rezept zum Nachbacken zusammengestellt. … »