Wellness für den Hund
Wieviel Luxus braucht das Tier?
Wellness ist seit Jahren ein Trend. Seit einiger Zeit hat der Wohlfühlmarkt auch unsere Haustiere erreicht. Nun gibt es Wellness für den Hund – doch braucht der Hund unbedingt Luxus- und Verwöhnprodukte, um sich wohl zu fühlen?
In Deutschland gibt es ca. 5,5 Millionen Hunde. Für immer mehr Hundehalter ist das Beste gerade gut genug für ihren Vierbeiner: Hundeboutiquen in 1A-Lagen präsentieren Edel-Hundebekleidung, aus klassischen Hundesalons werden zunehmend Wellness-Oasen, die den Hund rundum verwöhnen und pflegen. Und der Hund? Braucht er das alles überhaupt oder was steckt hinter dieser Entwicklung - Wellness für den Hund?
Der Hund als Statussymbol?
Wer genau hinsieht stellt fest, dass hinter diesem Trend 'Wellness für den Hund' mehr steckt. Der Hund wandelt sich immer mehr vom vom klassischen Haus-, Hüte- oder Wachhund zum Statussymbol. Doch was bedeutet das eigentlich für den Hund? „ Um diese Frage zu beantworten, muss man berücksichtigen, in welcher Umgebung ein Hund heute lebt“, erklärt Chris Goette, der seit 1996 die verhaltensbiologisch orientierte Hundeschule Pet´s Pleasure betreibt. „Hunde leben in den unterschiedlichsten menschlichen Gesellschaften. Viele Naturvölker halten Hunde heute noch als reine Nutztiere. In unserer westlichen Welt, in der finanzieller Wohlstand sowie der Freizeit- und Spaßfaktor immer höher im Kurs stehen, hat der Hund einen ganz anderen Stellenwert, lebt unter ganz anderen Bedingungen und hat somit unter Umständen auch völlig andere Bedürfnisse. Fragen Sie beispielsweise einen schottischen Schäfer, ob er am Wochenende mit seinem Bordercollie zum Agilitytraining kommt, ernten Sie wahrscheinlich bestenfalls Kopfschütteln. Für einen Bordercollie aus der Vorstadtfamilie, könnte Agility hingegen einen wertvollen Ausgleichsport darstellen. Wieviel Wellness ein Hund braucht, muss also nach verhaltensökologischen Gesichtspunkten beurteilt werden“, sagt der Hundetrainer.
Wann fühlt sich der Hund wohl?
Hundekörbchen aus edelsten Materialien oder Luxus-Hundepensionen, in denen man vom Boden essen könnte, sind dem Hund sicherlich relativ schnuppe. In solchen Fällen wird die Wellness für den Hund wohl arg übertrieben. Aber, so Chris Goette: „Trotzdem kann eine gute Tagesbetreuung oder Tierpension für voll berufstätige Hundehalter ein Segen sein.“ Damit sich der Hund tatsächlich wohl fühlt, müssen zunächst seine Grundbedürfnisse befriedigt werden: Artgerechte Ernährung, gesundheitliche Versorgung, eine passende Unterbringung, in der er seinen festen Platz hat. Der Hundetrainer weist außerdem auf einen entscheidenden Aspekt hin: Hunde sind soziale Tiere. Sie brauchen ihr „Rudel“, ihren Menschen, ihre Familie. Ein Hund fühlt sich wohl, wenn er in einem Sozialverband lebt, an dem er sich orientieren und auf den er sich verlassen kann. „Der Kontakt zu diesen sozialen Bezugspersonen sollte mindestens 70 Prozent der Tageszeit ausmachen“, empfiehlt Chris Goette. „Hunde sind zudem Beutegreifer. Das muss man verstehen, um deren Bedürfnissen gerecht zu werden.“ Soll heißen: Hunde jagen gerne, das liegt – je nach Rasse verschieden stark ausgeprägt – in ihren Genen. Übertragen auf den Alltag bedeutet dies, dass man seinen Hund artgerecht beschäftigen und ihm körperliche und geistige Herausforderungen stellen muss. „Wenn man es schafft, diese Faktoren zusammenzubringen, kann man davon ausgehen, dass sich der Hund wohl fühlt.“
Gesunder Menschenverstand hilft auch dem Hund
Wellness für den Hund bedarf also nicht unbedingt teurer Produkte oder Luxusresorts. „Hat der Hund genügend Kontakt zu seinen Menschen und Artgenossen, entsprechend Bewegung und geistige Auslastung sowie auch die Möglichkeit, sich einmal zurückzuziehen und seine Ruhe zu haben, braucht ein Hund in der Regel keine weiteren Wellnessangebote“, so Chris Goette. Trotzdem kann es im Einzelfall sinnvoll sein, das Tier in professionelle Obhut zu geben, das ist nach Auffassung des Hundetrainers allemal besser, als den Hund acht Stunden alleine zu Hause zu lassen. Wie viel Luxus man sich und seinem Hund dabei zukommen lassen möchte, ist Ermessenssache. „Sinnvoll ist es meiner Meinung nach, den Hund weiterhin als das zu betrachten, was er ist und ihn nicht mit menschlichen Maßstäben zu messen. Wie so oft ist auch beim Thema Wellness das richtige Maß der Vater aller Dinge.“ Wellness für den Hund muss also nicht um jeden Preis sein.
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