
Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) begrüßt die Pläne für ein EU-Tierschutzlogo. "Deutschland steht einer Tierschutz-Kennzeichnung auf europäischer Ebene aufgeschlossen gegenüber", sagte Aigner am Samstag der Deutschen Presse-Agentur dpa. "Eine Kennzeichnung kann die Verbraucher in die Lage versetzen, tierschutzgerecht erzeugte Produkte zu erkennen und eine überlegte Kaufentscheidung zu treffen." Heute trifft Aigner in Brüssel die Landwirtschaftsminister der EU-Mitgliedstaaten, um über das EU-Tierschutzlogo zu beraten. "Wir sollten für eine Produktkennzeichnung eine europaweit einheitliche Lösung anstreben", betonte Aigner. Diese könne dazu beitragen, das Bewusstsein für die Herkunft von Lebensmitteln und deren tierschutzgerechte Produktion zu schärfen. "Gleichzeitig kann eine Tierschutzkennzeichnung aber auch Erzeugern helfen, mit hohen Standards zu werben und Marktchancen zu nutzen."
Die Minister müssen darüber diskutieren, ob es sich um eine freiwillige oder verpflichtende Kennzeichnung handeln soll, was auch im Rahmen der Welthandelsorganisation (WTO) eine Rolle spielt. Derzeit gibt es auf EU-Ebene nur Mindest-Schutzstandards für Tierhalter. Kennzeichnungen für Tierschutzmaßnahmen, die darüber hinausgehen, gibt es kaum. Artgerechte Haltung ist mit erhöhten Kosten verbunden. Der Tierhalter muss selbst Wege finden, dies zu kommunizieren, um entsprechend höhere Preise zu erzielen. Auf EU-Ebene gibt es nur das EU- Öko-Siegel, das vom 1. Juli an verpflichtend wird, sowie Kennzeichnungen für die Legehennenhaltung (Käfig-, Boden-, Freilandhaltung sowie Bio). Ein Bericht der EU-Kommission zeigt auf, dass mit der Einführung der Eier- Kennzeichnung die Käfighaltung signifikant zurückgegangen sei. Verbraucher würden preisbewusst einkaufen, für höhere Standards aber auch bereit sein, mehr Geld auszugeben.
Größer - schneller - billiger:
Unter diesem Motto der Agrarindustrie leiden heute rund 150 Mill. Nutztiere in deutschen Ställen. Ob Schwein, Rind, oder Legehenne, ob Pute, Kaninchen oder Ente - sie werden verstümmelt, in enge Ställe oder Käfige gepfercht und mit Medikamenten vollgepumpt. Auf der Strecke bleiben nicht nur das Wohl der Tiere und ihre artgemäße Haltung, sondern auch Qualität, Geschmack und die gesundheitliche Unbedenklichkeit der Produkte.
Mediziner warnen seit Jahren die Verbraucher vor Medikamentenanreicherungen in Fleisch, Milchprodukten und Eiern. Es gilt als gesichert, daß Antibiotikaanreicherungen im Fleisch, speziell im Schweinefleisch, die Hauptursache für die hochbrisante Antibiotikaresistenz beim Menschen sind. Immer mehr Menschen sprechen selbst auf hohe Antibiotikadosen nicht mehr an.
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