
Die Umweltstiftung WWF zieht eine durchwachsene Jahresbilanz: Auch 2008 dauerte das von Menschen verursachte Artensterben im Tierreich an. Aber es gab auch vereinzelte Silberstreifen am Horizont. Die tierischen Gewinner und Verlierer im Jahr 2008.
"Zwar gibt es für manche Arten Grund zur Hoffnung, doch das Massensterben im Tier- und Pflanzenreich dauert mit unverminderter Härte und gnadeloser Schnelligkeit an", sagt Volker Homes, Leiter des WWF-Artenschutzteams. Hauptursachen sind Lebensraumzerstörung, Klimawandel, Wilderei und Übernutzung durch den Menschen.
Frösche und Amphibien: Die lebenden Verwandten des Froschkönigs sterben heimlich, still und leise aus. "Weltweit ist jede dritte Amphibienart auf der Roten Liste geführt", so Artenschutzreferent Frank Barsch. "Die Dunkelziffer ist sogar noch höher, da viele Arten aussterben, bevor sie überhaupt entdeckt wurden." In Deutschland sind rund 67 Prozent der bekannten Amphibien bedroht.
Iberischer Luchs: Nicht mehr als 150 Tiere leben noch in der spanischen Sierra Moreno und in der Gegend um Toledo. Darunter sind aber nur noch 25 fortpflanzungsfähige Weibchen. Vor zehn Jahren pirschten nach WWF-Schätzungen fünfmal so viele Tiere durch die mediterrane Landschaft. Das Überleben der scheuen Katzen hängt auch eng mit dem Erhalt ihres Lebensraumes zusammen. Straßen, Bahntrassen und Gas-Pipelines haben die Jagdreviere der Luchse zerstückelt und auf den spanischen "Autopistas" endet die Brautschau für Luchse oft tödlich.
Menschenaffen: Unsere nächsten Verwandten im Tierreich, die Menschenaffen, könnten bald für immer verschwunden sein. Die Bestände von Gorillas, Schimpansen, Bonobos und Orang-Utans sind mindestens "stark gefährdet", Tendenz weiter abnehmend. Besonders prekär ist die Lage der Östlichen Gorillas. Nur noch rund 720 Berg- und höchstens 5000 Östliche Flachlandgorillas durchstreifen den Dschungel. Ihre Situation hat sich 2008 durch fortschreitende Lebensraumzerstörung, Seuchen, Wilderei und auch durch den Bürgerkrieg in der Region weiter verschlimmert.
Lonesome George: Der korrekte, wissenschaftliche Name der Riesenschildkröte lautet "Geochelone nigra abingdonii". Einst bewohnten die Tiere die Galapagos-Insel Pinta. Heute ist jedoch nur noch ein letztes Exemplar am Leben: Lonesome George. Zuchtbemühungen mit Weibchen einer nahe verwandten Art scheiterten bisher. 2008 legte eines der Weibchen zwar acht Eier, diese waren jedoch nicht befruchtet.
Roter Tunfisch: Einst tummelte sich der Rote Tunfisch (oder Blauflossen-Tunfisch) massenhaft im Mittelmeer. Doch in den vergangenen Jahren sind die Bestände um bis zu 90 Prozent eingebrochen. Erst im November 2008 haben die 46 Vertragsstaaten, darunter die EU, trotz massiver Proteste von Wissenschaftlern, Unternehmen und Umweltverbänden für 2009 eine Fangquote von 22.000 Tonnen für den Roten Tunfisch im Mittelmeer beschlossen. Zudem lassen die Staaten erneut den Fischfang während der Laichsaison zu.
Afrikanischer Elefant: Steigende Populationszahlen in Süd- und Ostafrika durch gutes Elefantenmanagement stehen einer Zunahme der Wilderei vor allem in Zentralafrika gegenüber - und lassen das Bild für das größte Landsäugetier der Welt insgesamt ambivalent erscheinen. "Das Beispiel Afrikanischer Elefant zeigt aber auch, dass Bemühungen zum Lebensraumschutz und die internationale Bekämpfung des Elfenbeinschmuggels sowie die Einbindung der lokalen Bevölkerung eine Tierart vor dem Aussterben bewahren kann", sagt WWF-Artenschutzreferent Stefan Ziegler.
Wolf: Mittlerweile haben schätzungsweise 40 Wölfe in der Bundesrepublik ein Zuhause gefunden. Schwerpunkt liegt dabei auf der sächsischen Lausitz, wo 2008 die inzwischen fünfte Wolfsfamilie gegründet wurde. Doch auch zahlreiche andere Bundesländer, wie etwa Brandenburg, Niedersachsen oder seit diesem Jahr auch Hessen, können sich wieder als "Wolfsländer" bezeichnen. Doch immer wieder werden Wölfe angeschossen oder beim Überqueren von Straßen getötet.
Buckelwal: Vier Jahrzehnte nach dem Ende der Jagd auf Buckelwale hat der weltweite Bestand erstmals ein halbwegs stabiles Maß angenommen. Die Internationale Naturschutzorganisation IUCN hat die Buckelwale daher auch in eine geringere Gefährdungskategorie auf der Roten Liste eingestuft. "Das bedeute allerdings nicht, dass damit Jagd auf die Tiere gemacht werden dürfe", betont WWF-Referent Volker Homes. Weltweit wird der Bestand an ausgewachsenen Buckelwalen auf rund 60.000 Tiere geschätzt.