
In den Kalksteinbergen des indochinesischen Binnenstaates Laos entdeckten Forscher einen Vogel, der Ornithologen bisher noch unbekannt war. Es ist die erste Neubeschreibung einer Singvogelart in Asien seit mehr als hundert Jahren.
Das Tier aus der Familie der Haarvögel ist ein fast kahlköpfiger Baumbewohner, hat olivgrünes Gefieder, eine hellgraue Brust, ein federloses, rosa Gesicht und große, blau umrandete Augen.
Haarvögel, auch Bülbüls genannt, sind eine Vogelfamilie, die für ihre oft sehr auffällige Farbenpracht bekannt sind. Die neu entdeckte Art Pycnonotus hualon macht allerdings noch durch eine andere Besonderheit auf sich aufmerksam: sie ist fast kahlköpfig. Nur eine schmale, haarähnliche Federlinie ziert ihre Köpfchen. "Hualon" ist übrigens das laotische Wort für Glatzkopf.
Bülbüls sind mittelgroße Singvögel, meist sehr lebhaft und sangesfreudig. Dass der laute Strophengesang der jetzt neu entdeckten Art bisher nicht auf die Ohren von Biologen traf, mag an ihrem abgeschiedenen Wohnumfeld liegen. Es beschränkt sich anscheinend nur auf die unwirtlichen, gebirgigen Karstlandschaften der Provinz Savannakhet.
Bereits Ende letzten Jahres stießen Biologen der Wildlife Conservation Society hier auf einen Vertreter des glatzköpfigen Bülbüls. Generell ist es gang und gäbe, dass erst, wenn Forscher einen weiteren Vertreter des anderen Geschlechtes gefunden haben, die formale Beschreibung einer neuen Tierart beginnen kann. Für den glatzköpfigen Bülbül mit Irokesenschnitt liegt die Beschreibung jetzt in der Fachzeitschrift "Forktail" vor - Iain Woxvold, J.W. Duckworth und Robert Timmins sei es gedankt. (PDF-Download hier: www.orientalbirdclub.org/news/WoxvoldDuckworthTimmins-Bulbul.pdf).
Zum Glück für den Bülbül liegt sein mutmaßlicher Lebensraum zum größten Teil in einem offiziell naturgeschützten Teil von Laos, einem der am wenigsten erforschten Ökosysteme in Südostasien.
Das Gebiet ist schon bekannt für die Entdeckung neuer Tierarten. Vor sieben Jahren stolperte Robert Timmins hier über die bis dahin unbekannte Laotische Felsenratte Kha-Nyou. Dieser einem Hörnchen ähnelnde Nager ist mit keiner noch lebenden Nagetierart verwandt. Er gehört zur Familie der Diatomyidae, deren übrige Vertreter seit elf Millionen Jahren ausgestorben sind.
Im Jahr 1999 war Timmins maßgeblich an der Entdeckung des Annamitischen Streifenkaninchens beteiligt, dessen wissenschaftlicher Name seitdem nach ihm benannt Nesolagus timminsi lautet.