Rettungshunde: Lassie als Vorbild

Tierische Sanitäter

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Lassie, Boomer, Barry. Bekannte Filmhunde, die Leben retteten. Doch nicht jeder Hund, der Leben rettet, ist auch ein Rettungshund. Es gibt feine Unterschiede. Die Ausbildung der Rettungshunde fordert Disziplin und Einsatzbereitschaft von Hund und Hundeführer.

Unter dem Begriff Rettungshund werden speziell ausgebildete Haushunde zusammengefasst, die eine Begleithundeprüfung und eine Rettungshundeprüfung absolviert haben. Rettungshund und Hundeführer bilden ein festes Team. Mehrere solcher Mensch-Hund-Teams können sich zu einer Rettungshundestaffel zusammenschließen.

 Mit ihrem besonders ausgeprägten Geruchssinn sind Hunde prädestiniert für die Suche von Menschen. Den Hund systematisch als Rettungshund auszubilden und einzusetzen ist allerdings eine recht moderne Erscheinung.

Rettungshundeausbildung 1961 Die Anfänge
Die Anfänge der Rettungshunde gehen auf die Mönche vom Hospiz des Großen Sankt Bernhard Mitte des 17. Jahrhunderts zurück. Sie züchteten Bernhardiner, die den Menschen den Weg durch die verschneiten Wege leiten sollten. Allein der bekannte Bernhardiner Barry soll angeblich 40 Menschen vor dem Tod in der Kälte gerettet haben. Eine wirkliche Entwicklung zu systematisch eingesetzten Rettungshunden fand allerdings erst im Zuge der beiden Weltkriege statt. Damals wurden Hunde im Sanitätsdienst als Flächensuchhund zum Aufspüren von verwundeten Soldaten eingesetzt. Die Entwicklung zum zivilen Rettungshund vollzog sich 1940 in der Schweiz, als Ferdinand Schmutz mit der Ausbildung von Lawinenhunden begann.

 Als klassische Einsatzgebiete von Rettungshunden wird die Suche nach Erdbeben- und Lawinenopfern angesehen. Der Einsatzbereich von Rettungshunden ist aber weitaus vielfältiger.

Flächensuche
Die Aufgabenstellung: Der Hund soll eine vermisste Person auf einem großen unwegsamen Gelände oder einer weiten Fläche finden. Hierzu nimmt der Hund Witterung auf und durchkämmt das Gelände. Hat er die Person gefunden, kann er seinen Hundeführer durch drei Anzeigemöglichkeiten zur Zielperson leiten.

 Beim „Verbellen“ bleibt der Rettungshund bei der gefundenen Person und bellt solange, bis der Hundeführer bei ihm ist. Beim „Bringseln“ nimmt der Hund einen Gegenstand, das so genannte Bringsel, der vermissten Person auf, läuft damit zu seinem Hundeführer und weist ihm den Weg zum Opfer. Beim „Freiverweisen“ pendelt der Hund immer wieder zwischen seinem Hundeführer und der gesuchten Person hin und her.

Hund sucht Verschüttete Trümmersuche
Trümmerhunde werden in Krisengebieten nach Erdbeben oder Gasexplosionen eingesetzt. Der Einsatz ist besonders anspruchsvoll für den Rettungshund, da er die menschliche Witterung aus einer Vielzahl von anderen Gerüchen herausfiltern muss. Hat er eine Person gefunden, zeigt er dies durch verbellen oder scharren an.

Lawinensuche
Trotz moderner Ortungsgeräte ist die Spürnase des Rettungshundes oft die sicherste Methode, um Verschüttete nach Lawinenabgängen zu finden. Diese Einsätze fordern von Hund und Hundeführer volle Konzentration, denn die Gefahrenlage muss richtig eingeschätzt werden. Der Lawinenhund zeichnet sich dadurch aus, dass er sich während seiner Arbeit nicht von anderen Hunden oder störenden Geräuschen ablenken lässt.

Suche auf dem Wasser Wasserrettung
Für die Wasserrettung sind so genannte „Wasserhunde“ wie Landseer, Portugiesischer Wasserhund oder Pudel gut geeignet. Sie schwimmen mit einem Geschirr zum Opfer, an dem sich der Ertrinkende festhalten und an Land bringen lassen kann. Ist das Opfer bewusstlos, zieht der Hund den Verletzten am Arm oder an der Hand zum Land.

Mantrailing
Bei diesem Spezialgebiet folgt der Hund dem Individualgeruch eines bestimmten Menschen, beginnend an dem letzten vermuteten Aufenthaltsort. Dem Hund wird ein Geruchgegenstand des Vermissten angeboten, z. B. ein getragenes Kleidungsstück. Daraufhin folgt der Hund unbeirrbar der Geruchsspur.

Rettungshund im Einsatz Anforderungen: Welche Hunde eignen sich zum Lebensretter?
Im Prinzip kann jeder Hund, der gesund und menschenfreundlich ist, in etwa zwei Jahren zum Rettungshund ausgebildet werden. Eine typische Rettungshunderasse gibt es nicht. Ideal ist es, wenn der Hund eine mittlere Größe und ein nicht zu hohes Körpergewicht hat. Oft werden Gebrauchshunderassen eingesetzt, was aber kein Ausschlusskriterium ist.

Wichtiger sind folgende Voraussetzungen für einen Rettungshund:

  • Lebensalter: maximal 4 Jahre bei Ausbildungsbeginn; idealerweise aber 6-12 Monate
  • Menschenfreundlichkeit
  • Wesensfestigkeit: keine Aggression oder Ängstlichkeit gegenüber Menschen oder anderen Tieren
  • Lauffreudigkeit
  • Guter Gesundheitszustand und gute körperliche Konstitution
  • Ausgeprägter Spiel- und Futtertrieb

Der Hundeführer: Welche Eigenschaften sind gefragt?
Auch an den Hundeführer werden bei der Ausbildung zum Rettungshundeteam hohe Anforderungen gestellt. Neben der Hundeausbildung müssen sie auch theoretische und praktische Kenntnisse für alle einsatzrelevanten Themen erlernen und beherrschen. Dazu zählen u. a. Geländeorientierung, Funk und Erste Hilfe.

Möchte ein Hundebesitzer die Ausbildung zum Rettungshundeführer machen, sollte er folgende Fragen sicher mit "Ja" beantworten können:

  • Bin ich bereit in einem Team zu arbeiten?
  • Möchte ich einen hohen Anteil meiner Freizeit investieren? (Meist wird zweimal pro Woche trainiert, plus Theoriestunden.)
  • Bin ich bereit, mir umfangreiches Fachwissen anzueignen?
  • Habe ich ein ehrliches Interesse an der ehrenamtlichen Hilfs- und Rettungstätigkeit und möchte nicht nur Hundesport betreiben?
  • Stehe ich prinzipiell für Sucheinsätze zur Verfügung – auch nachts und am Wochenende?
  • Bin ich körperlich und geistig fit genug für die anspruchsvolle, oft belastende Arbeit?

Ausbildung
Hat man sich entschlossen, einer einsatzorientiert arbeitenden Rettungsstaffel beizutreten, ist es wichtig alle in Frage kommenden Staffeln zu besuchen.
 Grundvoraussetzung für die Teilnahme an einem Rettungshundestaffeleinsatz ist die Volljährigkeit. Die Ausbildung kann mit dem vollendeten 16. Lebensjahr begonnen werden. Vor der eigentlichen Ausbildung steht in der Regel ein Schnuppertraining, bei dem sich der Ausbilder und das Team kennen lernen können und geprüft wird, ob Hund und Halter für eine Ausbildung geeignet sind.

Die Grundausbildung des Hundes hat folgende Schwerpunkte:

  • Geländegängigkeit: Der Hund muss lernen sich auch auf unwegsamen Untergründen, wie z. B. glatten Flächen, Geröll, Gitter, sicher zu bewegen.
  • Gerätearbeit: Leitern, Röhren und Wippen müssen ohne Probleme waagerecht und schräg begangen werden.- Gehorsamsarbeit: alle Anweisungen, wie z. B. „Fuß“, „Sitz“, „Platz“, „Ablegen unter Ablenkung“, müssen sicher beherrscht werden.
  • Anzeigeübungen: Verbellen, Bringseln, Freiverweisen etc.
  • Flächensuche und Trümmersuche


Die Grundausbildung des Hundeführers hat folgende Schwerpunkte:

  • Sanitätsdienst Ausbildung
  • Erste Hilfe
  • Funkverkehr
  • Einsatztaktik
  • Statik, Trümmerkunde, Bergung etc.

Nach einer Probezeit von sechs Monaten legen der angehende Rettungshund und Hundeführer einen Eignungstest ab. Nur, wenn beide den Test bestehen, werden sie in die Rettungsstaffel aufgenommen.

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