Pelzbekleidung: Vorsicht Gift!
Auf Echtpelz lieber verzichten
Dass man als Tierfreund keinen Pelz trägt, versteht sich von selbst. Doch Pelzbekleidung ist nicht nur ethisch fragwürdig, sondern sogar giftig. Das belegt eine aktuelle Studie.
Trotz langjähriger Aufklärung und öffentlichkeitswirksamer Kampagnen: Pelzbekleidung ist immer wieder mal angesagt oder wird „aus Überzeugung“ getragen – schließlich, so oftmals die Meinung, sei Pelz „ein Naturprodukt“. Weltweit wurden 2009 auf Pelzfarmen geschätzte 100 Millionen Tiere unter grausamen Bedingungen gezüchtet und getötet. Die Tierschutzorganisation Vier Pfoten hat nun ein weiteres, handfestes Argumente gegen das Tragen von Pelzbekleidung gefunden: Das Tierfell ist hochgradig schadstoffbelastet. In 15 untersuchten Pelzartikeln wurden krebserregendes und allergieauslösendes Formaldehyd und andere giftige Chemikalien nachgewiesen. Mehrfach wurden in den Pelzen von Nerz, Marderhund und Fuchs gesetzliche Schadstoffgrenzwerte – teilweise um ein Vielfaches – überschritten. Die höchste Belastung fand sich in Kinderkleidung. „Der Bericht zeigt, dass Pelzbekleidung nicht nur mit Tierquälerei verbunden ist, sondern auch für Menschen gefährlich werden kann“, erklärt Thomas Pietsch, Wildtierexperte bei Vier Pfoten.
Pelzbekleidung ist schadstoffbelastet
Der Studie des auf Produktsicherheit spezialisierten Beratungsunternehmens EcoAid zufolge stecken ganze Chemiecocktails im Pelz: ein Speziallabor des Bremer Umweltinstituts fand in 38 Prozent der untersuchten Ware krebserregendes und Allergien auslösendes Formaldehyd in Konzentrationen, die sogar den Maximalwert des Industrie-Standards Ökotex 100 überschreiten. 80 Prozent der Proben enthielten Nonylphenolethoxylate (NPEO), eine giftige Chemikalie, deren Einsatz in der EU weitgehend verboten ist. Je acht Prozent der Proben enthielten krebserregende Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe und sich im Körper anreichernde Chlorparaffine in bedenklichen Konzentrationen. Da Schals, Kragen, Ohrwärmer oder Kapuzen aus Pelz meist direkt auf der Haut getragen werden, gelangen die Schadstoffe leicht in den Körper der Trägerinnen und Träger.
Vor allem Kinderbekleidung ist belastet
Am meisten Formaldehyd steckte in der Pelzkapuze einer Kinderjacke: der EU-Grenzwert für Spielzeugtextilien wurde um das 15fache überschritten. Diese in Hamburg gekaufte Jacke enthielt darüber hinaus nahezu drei Gramm NPEO pro Kilogramm. Das stark belastete Kleidungsstück hätte nicht einmal als Chemieprodukt verkauft werden dürfen. „Bei der Pelzherstellung werden viele giftige Chemikalien eingesetzt. Die Studie zeigt erstmals, dass gefährlich hohe Schadstoffbelastungen auch in fertigen Pelzartikeln stecken“, erklärt der Studienautor und Chemieexperte Manfred Krautter von EcoAid. Vier Pfoten erstattet jetzt Anzeige beim Bundesamt für Verbraucherschutz und fordert das EU-Kommissariat für Gesundheits- und Verbraucherschutz auf, eine Produktwarnung auszurufen.
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