Tiergutscheine aus dem Tierheim
Nein, zu lebenden Geschenkideen!
Jedes Jahr aufs Neue: Tiere sind kein Weihnachtsgeschenk! Denn die Beschenkten sind oft überfordert und das Tier landet im Heim. Das Berliner Tierheim vermittelt deshalb kurz vor Weihnachten keine Tiere mehr sondern vergibt Tiergutscheine.
Allein in Berlin wurden dieses Jahr über 10.000 Tiere ausgesetzt – kurz vor Weihnachten waren es 1.818 Hunde, 4.152 Katzen und zahlreiche Kleintiere. Die meisten von ihnen landen im Tierheim. Alljährlich nach Weihnachten - und gar bis in den Januar und Februar hinein - steigt diese Zahl für gewöhnlich nochmals stark an – denn was unterm Weihnachtsbaum zunächst für leuchtende Augen sorgt, stellt sich im Alltag oft als belastend heraus. Das Tierheim Berlin greift nun zu ungewöhnlichen Mitteln und stellt Tiergutscheine aus.
Warum kommt das Tier ins Heim?
Derzeit versorgt das Tierheim Berlin, die größte und modernste Einrichtung dieser Art in Europa, rund 1.500 Tiere, darunter exotische Vögel, Schildkröten und Hunde und Katzen verschiedenster Rassen. „Die Gründe, warum die Tiere bei uns landen, sind vielfältig. Ausgesetzte Tiere sind leider immer noch ein Thema. Erst kürzlich wurde „Flocky“, ein blinder und fast tauber Pudel bei Eiseskälte aufgegriffen und von uns professionell versorgt. Eine solche Herzlosigkeit macht uns fassungslos“, so Marcel Gäding, Geschäftsführer des Berliner Tierheims.
Ausgesetzte Vierbeiner, beschlagnahmte Tiere aus schlechter Haltung oder auch herrenlose Ausreißer kommen erstmal ins Heim. „Häufig verstirbt auch der Besitzer oder kann sich aufgrund seines Alters oder Gesundheitszustandes nicht mehr um sein Tier kümmern“, beschreibt Marcel Gäding. Immer öfter spielt auch das Geld eine Rolle: „Ein Hund beispielsweise kostet einiges an Unterhalt – wer von Hartz IV lebt kommt finanziell oft schnell an seine Grenzen. Vor allem, wenn das Tier spezielles und teures Futter benötigt oder krank ist und oft zum Tierarzt muss.“
Tiergutscheine anstatt lebender Geschenke
Auch Allergien, Haftstrafen, Scheidungsstreitigkeiten oder schlichtweg Überforderung führen nicht selten zur Abgabe des Haustiers. „Letzteres ärgert mich jedoch wirklich“, sagt der Geschäftsführer. „Manche Menschen schaffen sich ein Tier völlig unüberlegt an und sind dann erstaunt, wie viel Zeit und Zuwendung es im Alltag benötigt. Weihnachten ist auch immer so ein Thema. Wer am 23. Dezember zu uns kommt und noch schnell eine Katze oder ein Kaninchen für seine Kinder haben möchte, wird abgewiesen.“ Stattdessen stellt das Tierheim Tiergutscheine aus, über die man nach den Feiertagen in Ruhe nachdenken kann. Während noch vor ein paar Jahren die Tierheime bis zum Februar völlig überfüllt waren, weil die „lebenden Geschenke“ schnell wieder abgegeben wurden, hat sich die Lage mittlerweile etwas entspannt. „Die vielen Aufklärungskampagnen gegen ‚Tiere als Geschenk’ zeigen endlich Wirkung, die Leute werden vernünftiger“, beobachtet der Tierheim-Leiter.
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