Polizeihunde: Spürnasen auf Verbrecherjagd

Im Jahr 1896 traten die ersten zwölf deutschen Polizeihunde ihren Dienst an. Tatsächlich nahmen damals Schutzmänner einfach ihre privaten Hunde mit auf Streife. Sie verstärkten als tierische Begleiter die polizeilichen Nachtwachen in Hildesheim.

Zu Beginn solcher Einsätze wurden Diensthunde in der Strafverfolgung allgemein noch belächelt. Erst die Deutsche Dogge Cäsar, offiziell der erste deutsche Polizeihund, fand 1901 bei seiner Arbeit für die Schwelmer Polizei die ihm gebührende Anerkennung. Die deutsche Diensthundeprüfung wurde ein Jahr später im westfälischen Hagen eingeführt.

Cäsars erster Job gehörte noch in den Bereich des Objektschutzes: Die Dogge sicherte das brennende Rathaus gegenüber Schaulustigen ab. Im Jahr 1904 war Cäsar dann maßgeblich an der Aufklärung eines Sexualmordes beteiligt: Er nahm an der Kleidung des elfjährigen Opfers Witterung auf und führte die Polizei zum Täter.
Heute bemühen sich in Deutschland etwa 6.000 Hunde um die Kriminalitätsbekämpfung. Auch die Einsatzgebiete sind vielfältiger geworden. Mit ihrer ausgezeichneten Nase erschnüffeln sie Täterspuren, finden Beweismittel, Rauschgifte, Leichen, Sprengstoffe, verfolgen Flüchtende und stöbern neuerdings sogar Sprayer auf. Seit März sind in Sachsen-Anhalt zwei belgische Schäferhunde als Graffiti-Spürhunde unterwegs. In einer zweiwöchigen Zusatzausbildung wurden die Fährtenhunde auf das spezifische Duftgemisch aus Farbspray und Mensch trainiert.

Die Grundausbildung

So wie die allgemeine Hundeausbildung hat sich auch die Ausbildung zum Polizeihund in den letzten hundert Jahren vollständig gewandelt: Eine strenge Hand mit Zwang und Druck ist Vergangenheit. Stattdessen nehmen sich die Ausbilder in der Hundeschule viel Zeit, man macht sich den natürlichen Beute- und Spieltrieb zu Nutze und gewünschtes Verhalten wird von Welpenbeinen an konsequent belohnt. Ziel ist vor allem, eine starke, emotionale Bindung zum Hundeführer aufzubauen. Mit ihm wird der Diensthund später rund um die Uhr zusammenleben und -arbeiten. Ihn gilt es auch in allen Gefahrensituationen vor Angriffen zu beschützen. 

Die Grundausbildung zum Polizeihund dauert 70 Tage. In dieser Zeit lernt der Hund etwa 40 bis 50 Kommandos. Gehorsam ist die Grundvoraussetzung für eine gute Teamarbeit zwischen Hund und Polizist. Zur Ausbildung gehört, Beweismittel zielsicher aufzuspüren, Fährten zu verfolgen, flüchtende Verbrecher zu stellen, verborgene Personen zu wittern und den Hundeführer zu schützen.

Jeder Polizeidiensthund wird zum Abschluss seiner Ausbildung – und danach einmal jährlich – gemeinsam mit seinem Hundeführer gemäß einer verbindlichen Prüfungsordnung begutachtet. Erst danach darf der Hund im Rahmen des Polizeigesetzes eingesetzt werden. Wichtig ist übrigens auch die Prüfung der Flugtauglichkeit, damit Polizeidiensthunde auch für etwaige Hubschrauberflüge einsatzbereit sind. Ein Polizeihund kann zum Schutz- oder Spürhund ausgebildet werden. Spürhunde wiederum sind noch weiter spezialisiert. Man unterscheidet unter anderem zwischen Drogenspürhunden, Leichenspürhunden, Sprengstoffspürhunden, Brandmittelspürhunden oder Personensuchhunden.

Spürhunde mit dem richtigen Riecher

Zu Beginn eines Spürhundelehrgangs wird der Hund unter Ausnutzung seines Spieltriebs an spezifische Geruchsbilder gewöhnt. Dazu wird beispielsweise ein Spielzeug mit Rauschgift präpariert. Während spielerischer Suchübungen lernt der Hund, dass er sich bei der Witterung bestimmter Duftmoleküle das Spielzeug durch Kratzen oder Beißen an einem Rauschgiftversteck erarbeiten kann. Dies führt dazu, dass der Hund auch später, wenn er den Geruch wahrnimmt, glaubt, dort sei ein Spielzeug versteckt.

Auf ähnliche Weise können Hunde auch auf alle gängigen militärischen Sprengstoffe, Waffen, Projektile und Hülsen trainiert werden. Durch Vorsitzen zeigen Sie ihrem Hundeführer an, wo sich das Versteck befindet, aus dem sie den spezifischen Duft wahrgenommen haben. Leichenspürhunde sollen nach Ablauf ihrer Spezialausbildung unter anderem den Kofferraum eines Fahrzeuges, in dem eine Leiche transportiert wurde, auch dann ohne Zweifel identifizieren können, wenn dieser nach dem Transport gründlich gereinigt wurde.

Der Geruchssinn des Hundes ist phänomenal. Hunde können bis zu 300 Mal pro Minute einatmen. Ein erwachsener Mensch kommt unter normalen Bedingungen nur auf eine Frequenz von 12 bis 15 Atemzüge. Auch dank der übergroßen Masse an Riechzellen ist es Hunden möglich, das aufgenommene Duftgemisch in seinen Bestandteilen wahrzunehmen und im Gehirn zu speichern. Ein normaler Hund kann sieben verschiedene Gegenstände und ihre Gerüche in seiner Erinnerung behalten. Manche Hunde schaffen bis zu elf.

 Selbst Tätern, die glauben, ihre Spuren durch intensive Sprays oder Reizgase zu verwischen, zeigt der Polizeihund eine lange Nase.
Fährtenhunde auf Tätersuche

Auf Vermisstensuche

Der Fährtenhund soll auch an übersichtlichen Tatorten winzige Beweismittel aufstöbern können. Dabei hilft ihm, dass an entsprechenden Gegenständen der Geruch eines verdächtigten Menschen anhaften kann. Denn jeder Mensch hat ein individuelles Geruchsbild, das durch Körperausscheidungen auf Gegenstände übertragen wird. Das Wiedererkennen einer Person durch den Geruchssinn des Hundes hat laut deutscher Strafprozessordnung übrigens die Beweiskraft von Fingerabdrücken oder einer Fotografie vom Täter. Kommen drei Hunde zum gleichen Ergebnis, gilt der Täter als überführt.

In der Ausbildung lernt der Hund, die Fährte eines Täters zu verfolgen und weggeworfene oder verlorene Gegenstände des Flüchtenden aufzufinden. Besonders erfolgreich ist eine solche Verfolgung, wenn sich der Täter auf natürlichem Untergrund entfernt hat. Jeder Schritt verändert die Bodenoberfläche auf eine spezifische Weise. Abgeknickte Zweige und niedergedrücktes Gras liefern dem Hund dabei gut wahrnehmbare biochemische Anhaltspunkte. Fährtenhunde können kreuzende Fremdfährten von der Täterfährte unterscheiden.

Während Spürhunde schon nach zwanzig Minuten intensiver Nasenarbeit eine Erholungsphase benötigen, kann der Fährtenhund über längere Zeit einer Fährte folgen. Der Grund liegt in der unterschiedlichen Intensität des Suchens. Hat der Fährtenhund einmal den Leitgeruch aufgenommen, so sucht er von Natur aus Kräfte und Energie schonend. Spürhunde sind dagegen darauf trainiert, intensiv jeden Zentimeter ihres Suchgebietes zu erschnüffeln.

Die beliebtesten Polizeihunderassen

In Deutschland werden bevorzugt Deutsche Schäferhunde, Belgische Schäferhunde, Rottweiler, Boxer, Dobermänner und Riesenschnauzer in den Polizeihundestaffeln eingesetzt.

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