Therapiehund: Er hilft beim Gesundwerden

Hunde retten Menschen nicht nur aus lebensbedrohlichen Situationen, sie helfen auch heilen. Der Landseerrüde „Wombat“ arbeitet als Therapiehund. Der 2008 von „Dogs“ und TIER.TV gekürte „Held des Jahres“ arbeitet im Bunten Kreis e. V. in der Kinderklinik Augsburg.

Hier hilft er der Diplompsychologin und Psychotherapeutin Christiane Schuler dabei, Kindern mit schweren Erkrankungen, traumatisierten Kindern, Kindern mit Asthma oder auch Frühgeburten psychologische Begleitung zu geben.

Tiergestützte Therapie

Tiere wurden für therapeutische Zwecke bereits vor über tausend Jahren eingesetzt. Auch aus dem 18. und 19. Jahrhundert ist tiergestützte Therapie im psychiatrischen Bereich bekannt, insbesondere in angelsächsischen Ländern. Seit etwa 20 Jahren werden auch in Deutschland Tiere als Therapiehelfer eingesetzt.

Die Ausbildung des Hundes

Eine wichtige Vorraussetzung für die Arbeit mit einem Therapiehund ist eine spezielle Ausbildung, die Hundeführer und Hund als Therapiehundeteam abschließen. In der Ausbildung werden Grundgehorsam und bestimmte Fähigkeiten, die ein Therapiebegleithund mitbringen muss, trainiert. Der Hund sollte in jeder Situation absolut zuverlässig sein. Außerdem muss sich der Hundehalter theoretische Kenntnisse über den Hund und fachspezifisches Wissen zur tiergestützten Therapie aneignen.

Welcher Hund ist geeignet?

Bei dieser Entscheidung sollte der zukünftige Einsatzbereich berücksichtigt werden. Viele Kleinhunde sind außerordentlich intelligent, voller übersprühender Lebensfreude, belastbar, vielseitig und wollen keineswegs nur herumgetragen werden. Einige Aufgaben sind ihnen auf Grund ihrer geringen Körpergröße jedoch nicht möglich (z.B. Packtasche tragen). Für die Arbeit beispielsweise im Seniorenheim ist ein Kleinhund ausgezeichnet geeignet. Er passt auf jeden Schoß und gut ins Bett. Dem großen Bedürfnis der Senioren nach körperlicher Nähe kann ein kleiner Hund besser gerecht werden. 
Menschen mit Angst finden häufig schneller Zugang. Besonders Hunde aus der Gruppe der Gesellschafts- und Begleithunde bringen hier gute Voraussetzungen mit.

 Für den Einsatz an Schulen bzw. die Arbeit mit Kindern und/oder Jugendlichen sollte der Hund andererseits nicht zu klein sein, zu leicht wird er von den Heranwachsenden nicht ernst genommen. Sehr große Hunde fördern bei den Kindern einen respektvollen Umgang.

 Generell gilt aber: In allen Arbeitsbereichen können Hunde mit ganz unterschiedlichen Größen zum Einsatz kommen. Die Abläufe müssen auf die Eigenheiten des Hundes abgestimmt werden.

Grundvoraussetzungen des Hundes

Ein zukünftiger Therapiebegleithund sollte folgende Voraussetzungen erfüllen können:

  • Gering ausgeprägter Schutztrieb, wenig stressanfällig
  • Keinerlei Berührungsängste, lässt sich gerne streicheln
  • Gelassenes Wesen, sehr menschenbezogen
  • Guter Grundgehorsam (BHP-Niveau)
  • Nicht extrem bellfreudig
  • Kann idealerweise apportieren

Therapieformen

Die Verwendung eines Hundes in der tiergestützten Aktivität, Therapie und Pädagogik lässt sich in drei Bereiche unterteilen

1. Tiergestützte Aktivitäten (Animal Assisted Activities = AAA)

  • Einsatzbereiche: Besuchsdienste, bei denen keine spezifische Ausbildung des Hundes notwendig ist.
  • Voraussetzungen: guter Gehorsam, Freundlichkeit, sozialverträglicher Charakter und vertrauensvolle Hundehalter-Hund-Beziehung.
  • Die Therapie kann aktiv oder passiv erfolgen, das heißt, entweder erfolgt eine Interaktion zwischen Mensch und Hund oder es wird darauf verzichtet.

2. Tiergestützte Therapien (Animal Assisted Therapy = AAT)

  • Kennzeichen: Zielgerichteter therapeutischer Einsatz eines speziell ausgebildeten Hundes; Dokumentation des Therapieverlaufs durch Fachpersonal.
  • Zielgruppe: Patienten mit bestimmten Krankheitsbildern.
  • Ziel: Die Therapie will eine Veränderung auf psychischer, soziale.r, emotionaler, physischer oder kognitiver Ebene erreichen.

3. Tiergestützte Pädagogik (Animal Assisted Pedagogy = AAP)

  • Kennzeichen: Die Therapiehunde werden von Pädagogen eingesetzt; vorab werden Zeit- und Zielvorgaben definiert; Dokumentation und Auswertung.
  • Zielgruppe: Patienten mit Lernschwierigkeiten oder Verhaltensauffälligkeiten.

Ziele der tiergestützten Therapie

Therapiehund

Ruhe, Sicherheit, Geborgenheit, Freundschaft, Nähe: Das Streicheln und Berühren eines Tieres vermittelt Wohlbefinden. Tiere sind außerdem gute „Gesprächspartner“, sie fühlen Stimmungen, hören geduldig zu. Tiere sind auch deshalb gute Therapeuten, weil sie nicht werten oder entwerten, sie sind nachsichtig und erwarten kein gespielt gutes Benehmen oder physische Attraktivität. Kurz: Sie nehmen den Menschen, wie er ist, mit allen Stärken und Schwächen. Tiere helfen außerdem gegen Lethargie und Langeweile: Sie bringen Menschen dazu, wieder aufzustehen, sich um etwas zu kümmern und lösen positive Gefühle aus.

Streng therapeutisch gesehen, kann die tiergestützte Therapie noch viel mehr bewirken:

  • Förderung, Aufrechterhaltung und Verstärkung sozialer, verbaler und nonverbaler Kontakte
  • Förderung emotionaler Stabilisierung
  • Ablenkung von eigenen Sorgen und Krankheit
  • Motivation zu Bewegung
  • Erleben von Zuneigung, Zärtlichkeit und Fürsorge, dadurch Unterstützung von Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen
  • Anregung kognitiver Fähigkeiten (Sprache, Erinnerungs- und Biographiearbeit, Merkfähigkeit)
  • Verbesserung der Wahrnehmung in allen Qualitäten
  • Förderung der Reaktionsfähigkeit
  • Bahnung von kooperativem Verhalten
  • Eingestehen und Überwinden von Ängsten

Trotz dieser positiven Effekte ist die tiergestützte Therapie nicht für jeden Menschen unbedingt sinnvoll. Deshalb sollte der Einsatz von Therapiehunden sorgfältig – unter Einbeziehung von Ärzten und Therapeuten – abgewogen werden.

TIER.TV


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