Dogwalker: Worauf kommt es an?

Service für Hundehalter mit wenig Zeit

Service für Hundehalter mit wenig Zeit

Sabine Hulsebosch ist Dogwalkerin. Seit vier Jahren führt sie die Hunde von Menschen aus, die zu wenig Zeit für ihre Vierbeiner haben. Bei TIER.TV spricht die Tierpsychologin und Trainerin über ihre Erfahrungen.

Wie wurden Sie Dogwalker?

Sabine Hulsebosch: Während Kommilitonen ihr Studium mit Kellnern oder Taxi fahren finanziert haben, bin ich mit Vierbeinern anderer Leute spazieren gegangen. Ich wurde hauptberuflicher Dogwalker, nachdem ich meine Tätigkeit als Lehrerin in den Niederlanden aufgegeben hatte. Als Praktikantin bei „Dogs and the city“ in Hamburg lernte ich, was es bedeutet, eine große Hundegruppe unangeleint auszuführen. Nebenbei war ich Gassigeher in Tierheimen, habe Hundetrainer-Seminare und Workshops besucht, das Studium der Tierpsychologie an der ATN (Akademie für Tiernaturheilkunde) begonnen. Der Service wurde von Anfang an sehr gut aufgenommen und ich habe diesen Schritt nicht eine Minute lang bereut.

Wie war Ihr erster Einsatz?

Sabine Hulsebosch: Mein erster Kunde war ein großer Schäferhundmischling. Dass er ein Problem mit entgegenkommenden Männern hatte, erfuhr ich erst unterwegs. Die Halter hatten vergessen, mich entsprechend zu informieren. Es folgte ein neun Monate alter Jack Russel Terrier. Er fand alles interessanter, als bei uns zu bleiben, kannte weder Grundkommandos noch den Rückruf. Das war eine spannende Zeit. Ich lernte jeden Tag hinzu und tue das auch heute noch.

Wie gestalten Sie das erste Mal mit einem „Neuling“?

Sabine Hulsebosch: Er wird selten sofort in die bestehende Stammgruppe eingeführt. Nach dem ersten „Schnüffelspaziergang“ mit Hund und Halter mache ich mir ein Bild von möglichen Schwierigkeiten. Das kann Jagdtrieb oder mangelnde Erfahrung mit Artgenossen sein. Je nach dem entscheide ich dann, ob er in der Gruppe oder erst einmal nur mit mir und meinen Hunden läuft. Dann starten die „Neuen“ mit Brustgeschirr und Schleppleine, bis die Basis für eine weitere Bindung gegeben ist. Das kann nach fünf Minuten der Fall sein, oder erst nach mehreren Wochen.

Was wird beim Dogwalk geboten?

Sabine Hulsebosch: Spiel, Spaß und viel Bewegung an der frischen Luft. Wir laufen bis zu zwei Stunden bei Wind und Wetter. Kleine Gehorsamsübungen und Nasen- oder Apportierspiele sorgen für körperliche und geistige Auslastung. Wenn wir nicht gerade eine Gruppenübung machen, kann jeder Vierbeiner seinen Ausflug frei gestalten. Wer nicht in Stimmung ist, mit den Hundekumpels zu rennen, kann also Duftspuren folgen, nach Mäusen buddeln oder sonstigen eigenen Neigungen nachgehen. Unsichere Hunde profitieren von diesem entspannten Zusammensein. Sie sammeln unter Aufsicht positive Erfahrungen mit Artgenossen. Dabei geben wir liebevoll aber bestimmt die Spielregeln und Umgangsformen vor.

Was macht Probleme in der Gruppe?

Sabine Hulsebosch: Hunde ohne Grundgehorsam. Bei Bleib-Übungen ist es dann der „Neue“, der sich vorzeitig aus seiner Position löst und sich auf versteckte Leckerbissen stürzt. Dann ist viel Fingerspitzengefühl und Geduld gefragt. Ein weiteres Problem sind so genannte „Raufer“, die rüpelhaftes Benehmen gegenüber Artgenossen über Jahre hinweg gelernt und verfeinert haben.

Was kennzeichnet einen guten Dogwalker?

Sabine Hulsebosch: Vor allen Dingen sehr gute Kenntnisse über das Ausdrucksverhalten des Hundes. Nur, wer Situationen rechtzeitig richtig einschätzen kann ist in der Lage, problematischen Situationen vorzubeugen und, wenn nötig, zu klären. Daneben ist ein schnelles Reaktionsvermögen gefragt. Grundsätzlich gilt: Nur ein souveräner Hundeführer ist ein guter Führer, in dessen Begleitung die Vierbeiner sich sicher und gut aufgehoben fühlen. Nur da, wo klare Regeln, Sicherheit und Geborgenheit das Gruppenklima bestimmen, findet ein entspanntes Miteinander statt. Davon profitieren nicht zuletzt Spaziergänger, Jogger, Radfahrer und Kinder, indem diese nicht behelligt werden. Allen voran aber natürlich unsere Hunde.

Gibt es eine Ausbildung zum Dogwalker?

Sabine Hulsebosch: Eine staatlich anerkannte Ausbildung zum Dogwalker existiert derzeit noch nicht. Es gibt die Möglichkeit, sich zum Hundetrainer- oder Verhaltensberater an verschiedenen Schulen oder Instituten auszubilden. Eine gute Grundlage für diese Arbeit sind Praktika bei Hundetrainern oder Dogwalkern. Wir bieten seit einem Jahr Interessierten eine sechswöchige Schulung zum Dogwalker an. Nach bestandener Abschlussprüfung hat der Dogwalker die Möglichkeit, sich entweder selbstständig zu machen oder bei uns Mitarbeiter zu werden.

Das Gespräch führte Regina Matthes.

Weitere Informationen erhalten Sie auf Bellosbest.de.

TIER.TV


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