Ist Ihre Katze „frühlingsfit“?

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Fit für den Frühling? Foto: TIER.TV

Die ersten warmen Sonnenstrahlen erfreuen uns schon. Jetzt ist es Zeit, dass wir das triste Grau vergessen und uns fit für den Frühling und den anschließenden Sommer machen. – Sind SIE schon frühlingsfit? Und ist es Ihre Katze?

Leider gewinnen auch unsere Stubentiger mitunter durch Bewegungsmangel etwas an Umfang über die kalte Jahreszeit. Denn wenn mehr Kalorien zugeführt als verbraucht werden, kommt es schnell zum Übergewicht. Dies kann besonders leicht geschehen, wenn wir von unseren eigenen Bedürfnissen im Winter ausgehen und etwas mehr füttern. Wer kann schon den bittenden Augen einer Katze widerstehen, die vor ihrem Napf jammert. Auch wegen der dazugehörigen Trägheit im Winter setzt eine Katze mehr Pölsterchen an. Die meisten Katzen bleiben lieber bei uns liegen oder schlafen gerne länger, wenn eben kein singender Vogel sie nach draußen lockt.

Von Übergewicht spricht man bereits, wenn das Idealgewicht um 10 % überschritten wird; bei mehr als 20 % ist es bereits schweres Übergewicht.

Wer glaubt, das der natürliche Instinkt der Katze ihr sagt, nicht mehr zu fressen als notwendig, irrt leider, da in der Natur nicht kontinuierlich Futter zur Verfügung steht und Hungerphasen am Tagesgeschehen sind – wenn der Mensch nicht wäre. Also sind wir als „Betreuer“ auch für eine entsprechende Gewichtsreduktion zuständig, wenn es einmal soweit gekommen ist.

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Um unseren Stubentiger fit zu bekommen, müssen wir als erstes schauen, was genau wir verfüttern. Sich nur auf die Werbung zu verlassen ist da nicht der beste Ratgeber. Wenn wir es uns bislang sehr einfach gemacht haben, werden wir vielleicht ausschließlich Trockenfutter verfüttert haben. Doch man muss wissen, dass Trockenfutter sehr gehaltvoll ist – im schlimmsten Fall enthält es sogar viel Getreide. Bei der Dosierung muss man also sehr darauf achten, nicht zu viel zu füttern. Es sieht oftmals sehr wenig aus was da so im Napf liegt; hat aber eine nicht zu unterschätzende Menge an Kalorien. Die Angaben der Fütterungsmenge sind oft überzogen hoch auf den Verpackungen, so dass sie zu Übergewicht führen müssen. Oftmals müssen sie so hoch sein, weil die Katze z.B. mit einem minderwertigen Futter gar nicht die benötigten Nährstoffe bekommt, die sie für ihren Organismus braucht. Häufig fehlt einfach der entscheidende Anteil an Fleisch, der durch Getreide o.ä. ersetzt wurde. Und Fleisch ist für eine Katze als Fleischfresser nun mal am besten verdaulich und verwertbar. Die Finger sollten Sie also unbedingt von Trockenfutter mit hohem Geteideanteil lassen. So ein Getreidebauch sieht bei keiner Katze vorteilhaft aus und belastet den kompletten Verdauungstrakt. Außerdem kann es zusätzlich zu Allergien bzw. Unverträglichkeiten führen. Und auch Zahnstein reit sich in die Riege der Probleme ein. Hochwertiges Futter ohne Getreide mit einem hohen Fleischanteil ist sehr viel besser. Dies sollte jedoch auch möglichst nicht ausschließlich gefüttert werden, da eine Katze normalerweise ihren Flüssigkeitbedarf über das Futter deckt. Ein hochwertiges Nassfutter ist also immer vorzuziehen, weil es artgerechter für das Tier ist.

Es steht außer Frage, dass Haustiere ihr Idealgewicht halten sollten, denn Übergewicht belastet die Gelenke und den gesamten Organismus. Zusätzlich trägt es zu einem erhöhten Risiko für Diabetes, Gelenk-, Herz-Kreislauf- sowie für Tumorerkrankungen bei, was nicht unerheblich ist.
Man sollte sich auch vor Augen führen, dass diese vermeidlich gesund aussehenden Tiere mit Übergewicht eine ca. 20 % geringere Lebenserwartung aufweisen. Und wir wollen ja alle sehr lange mit unseren Tieren gesund und glücklich zusammenleben. Also lohnt es sich, die Zutatenliste zu kontrollieren oder mit einem entsprechenden Fachmann darüber zu sprechen. Vor einer Gewichtsreduktion müssen körperliche/organische Probleme natürlich ausgeschlossen werden. Wenn das Tier gesund ist, sollte es unbedingt auf sein Idealgewicht gebracht werden. Sonst ist jede Erkrankung hausgemacht.

Und sollten die Leckerlies bereits zur Gewöhnung geworden sein, so dass man sie nicht mehr missen kann oder möchte, muss jedes Leckerlie von der Tagesration abgezogen werden; und zwar wirklich jedes.

Für eine kleine Frühjahrskur, zum Stimulieren des Immunsystems kommen Futterzusätze wie Katzenhanf, Spirulina, Propolis, Vitalpilze, Hagebuttenpulver oder Katzenkralle und/oder homöopathische Mittel, wie Echinacea purpurea oder Engystol in Frage, die jedoch individuell für jedes Tier ausgewählt werden sollten. Der Futterzusatz Taurin sollte an dieser Stelle erwähnt werden. Er sollte niemals fehlen und kann z.B. über Grünlippmuschelpulver zugeführt werden. Taurin ist für viele Stoffwechselfunktionen zuständig und kommt z.B. in Fleisch vor. Es ist jedoch nicht hitzebeständig und in Dosennahrung oft zu wenig enthalten.

Eine regelmäßige Zahnkontrolle ist auch für unsere Stubentiger wichtig – sie zeigen gar nicht oder sehr spät an, wenn Sie Schmerzen haben. Im schlimmsten Fall sehen wir es daran, dass sie nicht mehr genug fressen. Vielleicht bemerken wir es auch an einer Gewichtsabnahme oder vorhandenem Maulgeruch. Manchen Tieren merkt man es jedoch nicht an, dass sie Zahnprobleme haben.
Sollten Sie bislang durch Unwissenheit viel Getreide gefüttert haben, werden Sie dies an den belegten und dunkleren Zähnen im hinteren Bereich sehen können. Hier kann auch das Zahnfleisch an den Rändern entzündet sein, weil der Zahnstein es stetig reizt. Entstandener Zahnstein muss vom Tierarzt entfernt werden. Stetige Entzündungen im Maulbereich sind nicht nur unangenehm, sie verlangen dem Körper stetigen Höchsteinsatz zur Bekämpfung der eindringenden Bakterien ab.

Spielaufforderungen durch den Menschen sind auch eine gute Sache, dem befellten Freund Abwechslung zu bringen und ihm mehr Bewegung zu verschaffen. Lange Reizangeln bringen ihn in Schwung beim Jagen und auch selbstgedrehte Papierkugeln locken ihn aus der Reserve. Spielen Sie immer mit Gegenständen und lassen Sie auch junge Kätzchen nicht mit ihren Händen spielen. Das rächt sich sehr bald, wenn sie älter sind und in der Rüpelphase aggressiver spielen. Sie gehen davon aus, dass Sie das noch genauso lustig finden wie am Anfang. Am besten spielen Sie bevor es Futter gibt; die Katze muss auch in der Natur die Maus erst jagen und kann sie dann fressen.

Jetzt kommen sie wieder gekrabbelt – die Plagegeister, wie Spinnentiere, also Zecken und andere unbeliebte Tierchen. Wichtig sind gerade jetzt eine Prophylaxe und der Schutz gegen Parasiten. Ein abendliches Absuchen des Fells ist trotzdem angezeigt, wenn Sie einen Freigänger haben.
Setzen Sie bei der Abwehr und Bekämpfung auf biologische Produkte, die Ihrem Tier nicht schaden, z.B. Spot-ons von Amigard, Flohpuder von Dr.Schaette (WALA), Flohabwehr von TRIXIE Eukacid und Abwehrkonzentrat von der Firma cdVet. Eine innere Anwendung von parasitenabweisenden Nahrungsergänzungen können z.B. Kokosöl von Firma lunderland oder Formel-Z für Katzen von der Firma Biokanol darstellen.

Chemische Mittel, die in den Blut- und Lymphkreislauf gehen sind mitunter Allergie-auslösend, belasten den Organismus des Tieres und stehen im Verdacht Epilepsie auszulösen.
Ein gesunder Darm und ein stabiles Immunsystem schützen natürlich am besten vor Parasitenbefall.
Eine Entwurmung ist übrigens nur sinnvoll, wenn man nachweisen konnte, dass auch Würmer vorhanden sind bzw. eindeutige Anzeichen zu sehen sind. Ansonsten sind gerade chemische Entwurmungen ein Eingriff in die Darmflora des Tieres und stellen eine Belastung dar, die dauerhaft nicht zu unterschätzen ist.

Sollten chemische Mittel jahrelang verwendet worden sein und nützen jetzt nichts mehr, muss man daran denken, dass das Immunsystem des Tieres bereits geschwächt ist. Hier muss man erst wieder Aufbauarbeit leisten, z.B. durch einen Tierheilpraktiker und sollte in diesem Fall ganz auf Chemie verzichten.

Wenn Ihr Tier kein Freigänger ist oder sein kann, Sie jedoch einen Balkon ihr Eigen nennen, sollten Sie diesen unbedingt für Ihre Katze mit einem Katzennetz absichern. Gerade aus geringen Höhen können sich Tiere bei einem Sturz verletzen, weil sie eventuell aufgrund des geringen Abstandes zum Boden keine Chance haben, entsprechend auf ihren Pfötchen zu landen. Ein gesicherter Balkon ist bei so gut wie allen Katzen sehr beliebt. Sie können das Geschehen draußen beobachten und setzen alle ihre Sinne ein. Oft schnattern sie Vögeln hinterher, die sie schon gedacht im Maul haben und es ist eine wahre Freude, seine Katze dabei zu beobachten. Auch wenn die Katze nur verträumt im Stuhl liegt und die Sonne genießt, es wird Zeit, dass sie der trockenen Heizungsluft den Rücken kehren kann.

Bei Freigängern ist das Thema Kastration unbedingt angezeigt. Eine unbeabsichtigte Vermehrung von Tieren ist zu verhindern. Es sitzen bereits genug Tiere in den Heimen, die keinen Platz in einem heimischen Wohnzimmer finden. Besonders in den warmen Monaten legen Kater ungeahnte Strecken zurück, um schreiende Kätzchen zu beglücken. Mitunter verschafft man den Tieren sogar mehr Ruhe, wenn man diesen Trieb einschränkt. Kater werden ruhiger und kuschliger und manch Katze ebenso. Übernehmen Sie hier unbedingt Verantwortung für Ihr Tier.

Nun steht dem Frühling und dem Sommer nichts mehr im Wege – verspielt und gesund geht es hinaus in die Natur – da freut sich die Katz und der Mensch gleich mit.
Geben Sie Ihrem Haustier jedoch genug Zeit, um eine Figur mit Taille zu erlangen – die ersten Schritte sind jedoch schnell gemacht: artgerechter und nach und nach weniger verfüttern, viel Bewegung, Spaß und gute Laune und das Katzenherz schlägt nur noch für SIE.

Copyright Cornelia Kuhn 2015

Cornelia Kuhn

Cornelia Kuhn

arbeitet als „Geprüfte Tierheilpraktikerin“ (Zertifizierung beim Verband Deutscher Tierheilpraktiker e.V.) in Berlin.
Neben ganzheitlicher Tierheilbehandlung liegen ihre Schwerpunkt im Bereich der klassischen Homöopathie und der Verhaltenstherapie von Katzen. Sie berät Katzenbesitzer bei den Themen Unsauberkeit – hilft bei der Zusammenführung von Tieren – berät bei der Erstanschaffung und bei Aggressivität bei Katzen und auch Hunden.

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