Hunde mit Übergewicht

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Falsche Ernährung und mangelnde Bewegung führen zu Übergewicht, diese einfache Formel gilt auch für Vierbeiner. Wer sein Tier liebt, sollte dies vermeiden. Denn dicke Hunde haben eine geringere Lebensqualität und können sogar richtig krank werden.

Übergewicht ist gefährlich

Internationale Studien belegen, dass 25 bis 40 Prozent der Hunde zu viel auf den Rippen haben. Tierärztin Cornelia Ewering, die als Ernährungsexpertin den Futtermittelhersteller Mars Petcare berät, geht davon aus, dass in Deutschland mittlerweile jeder dritte Hund übergewichtig ist. Wo liegen die Ursachen und warum sind ein paar Kilos zuviel weit mehr als ein ästhetisches Problem?

So entsteht Übergewicht

dicker Hund © Flickr, Nick Smith

dicker Hund © Flickr, Nick Smith

Hier ein Leckerchen, dort eine besonders gut gemeinte Portion im Fressnapf und statt draußen zu toben liegt auch so mancher Hund lieber gemütlich auf dem Sofa: Dicke Hunde haben im Prinzip mit den gleichen Verlockungen zu kämpfen wie wir Menschen. Übergewicht entsteht dann, wenn mehr Kalorien aufgenommen werden, als der Hund verbraucht. Wie hoch der Energiebedarf beim einzelnen Tier ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab – etwa vom Alter und vom Bewegungspensum. Die Fütterungsempfehlungen der Hersteller bieten eine allgemeine Orientierung. Ist der Hund kastriert oder liegt eine Schilddrüsenunterfunktion vor, liegt der Energiebedarf allerdings deutlich darunter. Übrigens: Auch die Rasse spielt eine Rolle. Golden Retriever und Labrador-Retriever sind für ihren guten Appetit bekannt. Die freundlichen Familienhunde setzen deshalb schnell ein paar Speckröllchen an. Auch die Halter von Beagle und Cockerspaniel sollten das Gewicht ihres Hundes besonders aufmerksam kontrollieren.

Dicke Hunde können krank werden

Ein übergewichtiger Hund ist schneller erschöpft, kurzatmig und wird insgesamt träger. Es macht ihm keinen Spaß mehr, einem Stöckchen hinterherzujagen oder ausgelassen zu spielen. Die Gelenke haben eine schwere Last zu tragen und schmerzen. Auch Diabetes ist eine häufige Folgeerkrankung. Das gesamte Herz-Kreislaufsystem kann aus dem Lot geraten, was im schlimmsten Fall die Lebenserwartung verkürzt. Regelmäßige Gewichtskontrolle ist deshalb ein wichtiger Baustein für ein glückliches und langes Hundeleben.

Übergewicht schrittweise abbauen

Wichtig bei einer Diät ist, kleine Ziele zu setzen. Ein Gewichtsverlust bis maximal 1,5 Prozent pro Woche ist ideal. Der Tierarzt kann entsprechende Diät- und Lightfutter für Hunde empfehlen und einen individuellen Ernährungsplan aufstellen. Wichtig ist außerdem, den Hund körperlich zu fordern. Auch hier gilt: Schrittweise vorgehen! Dicke Hunde sind zu keinen Höchstleistungen fähig, das Tier keinesfalls überfordern. Eine langsame Ausdehnung der täglichen Spaziergänge, gemütliches Hertraben neben dem Fahrrad oder Schwimmen lassen die Pfunde schmelzen.

Nach der Diät: Schlank bleiben

Ist das mit dem Tierarzt besprochene Ziel erreicht, sollte man nicht in alte Verhaltensmuster zurückfallen. Denn auch bei Hunden gibt es einen Jo-Jo-Effekt: Der Körper hat sich während der Diät an eine verringerte Energiezufuhr gewöhnt und speichert jede zusätzliche Kalorie als Reserve ab. Wird die Ernährung zu schnell auf das normale Maß zurückgesetzt, ist der Hund nach kurzer Zeit eventuell dicker als vor der Diät. Deshalb: Maß halten. Auch Sport und Bewegung helfen dem Hund, seine schlanke Linie zu behalten.

Das ist ja ein dicker Hund!

Worin liegen die Ursachen für Übergewicht beim Hund und wie kann man vorbeugen?

hat nachgefragt.

Tierärztin Cornelia Ewering berät als Ernährungsexpertin den Futtermittelhersteller Mars Petcare.

Frau Ewering, ist Übergewicht beim Hund tatsächlich ein Thema oder wird damit eine Randerscheinung aufgebauscht?

Cornelia Ewering: Übergewicht beim Hund ist tatsächlich ein ernstzunehmendes Problem. Studien in den USA, Europa und Australien gehen davon aus, dass 25 bis 40 Prozent der Hunde zu dick sind. Das bedeutet, dass jeder dritte Hund in Deutschland übergewichtig ist. Tendenz eher steigend. Diese Entwicklung bereitet Experten Sorgen, denn Übergewicht ist nicht nur ein ästhetisches, sondern vor allem auch ein gesundheitsrelevantes Thema.

Woran erkenne ich als Halter überhaupt, ob mein Hund zu viel auf die Waage bringt? Ab wann spricht man von Übergewicht beim Hund und gibt es ein „Idealgewicht“?

Cornelia Ewering: Übergewicht definiert sich wissenschaftlich als 20 Prozent mehr als das so genannte Sollgewicht. Das Sollgewicht festzulegen ist nicht ganz einfach, weil es aufgrund verschiedener Einflussfaktoren variieren kann. Praktisch muss für jeden Hund das zu erzielende Sollgewicht individuell festgelegt werden, am besten mit dem behandelnden Tierarzt. Unsere praktische Empfehlung lautet: Mit dem Auge, mit der Waage und mit der Hand füttern! Überprüfen lässt sich das durch folgende Fragen: Kann ich von oben eine Taille sehen, sind die Rippen mit wenig Druck deutlich fühlbar, hat mein erwachsener Hund in den letzten Wochen kontinuierlich mehr Kilogramm auf die Waage gebracht? Es gibt spezielle Programme, mit denen der behandelnde Tierarzt gemeinsam mit dem Tierhalter für den jeweils vorgestellten Hund nicht nur den momentanen Körperzustand identifizieren kann, sondern auch erforderliche Korrekturmaßnahmen absprechen kann.

Was sind die Ursachen für Übergewicht beim Hund? Gibt es Stoffwechsel-Gründe oder ist es in der Regel Überfütterung?

Cornelia Ewering: Bei der Entstehung von Übergewicht beim Hund spielen verschiedene Faktoren eine Rolle, beispielsweise Rasse, Alter, Geschlecht, Kastration, Bewegung, Medikamente oder endokrine (hormonelle) Erkrankungen. Letztlich ist die zentrale Ursache aber stets die Aufnahme von mehr Kalorien, als der Hund verbraucht.

Stichwort „Futter“: Was empfehlen Sie als Expertin? Welches Futter ist das richtige um Übergewicht beim Hund zu vermeiden?

Cornelia Ewering

Cornelia Ewering: Sowohl Feucht- als auch Trockenfutterprodukte können eine vollwertige und ausgewogene Ernährung bieten. Einige Hunde werden ihr Leben lang nur mit einer Produktart gefüttert. Immer mehr Hundehalter bieten ihrem Hund eine Mischfütterung an, also sowohl Feucht- als auch Trockennahrung. Bei dieser Fütterungsart kommen dem Hund die Vorteile beider Futtersorten zugute. Denn Feuchtnahrung (Dose oder Schale) liefert Feuchtigkeit, einen relativ hohen Gehalt an tierischen Proteinen – was der Hund als Beutetierfresser bevorzugt –und eine Vielfalt an Geschmacksrichtungen und Texturen. Trockenfutter dagegen bietet knusprige Bröckchen und mehr Kohlenhydrate aufgrund des höheren Getreidegehaltes. Daher ist eine Mischung aus beiden Futterarten optimal. Ein hoher Feuchtigkeitsgehalt in der Ernährung kann beispielsweise das Risiko von Harnwegserkrankungen reduzieren.

In Bezug auf Übergewicht beim Hund, welches Mischungsverhältnis von Feucht- und Trockenfutter empfehlen Sie?

Cornelia Ewering: Legt man das Gewicht des Futters zugrunde, dann hat Feuchtnahrung etwa 20 Prozent der Kalorien von Trockennahrung. Deshalb können Hunde häufiger vergleichsweise große Mengen Feuchtnahrung zu sich nehmen, bei einer relativ geringen Kalorienzufuhr. Die Zugabe einer kleinen Menge Trockenfutter sorgt für knusprige Abwechslung und unterstützt die Zahnpflege. Wir empfehlen ein Verhältnis von 50 zu 50, also jeweils die Hälfte der für den Hund angegebenen Menge Feuchtnahrung und die Hälfte der angegebenen Menge Trockennahrung pro Tag zu verfüttern.

Und „Biologisch Artgerechtes Rohes Futter“ – kurz BARF? Befürworten Sie die Rohfütterung oder haben Sie dagegen Bedenken?

Cornelia Ewering: Anhänger dieser Rohfütterung sind überzeugt, dass die natürliche Ernährung eines Tieres in der Wildnis auch die ideale Ernährung für Heimtiere darstellt und versuchen, ihrem vierbeinigen Hausgenossen eine ähnliche Kost zu bieten. Aber: Die Rohfütterung stellt ein gesundheitliches Risiko für Hunde und ihre Halter dar, denn Rohfleischfütterung bietet keine Garantie einer vollwertigen und ausgewogenen Ernährung. Rohe Fleischkomponenten können mit Salmonellen oder Parasiten befallen sein. Die Fütterung von rohem Fleisch birgt außerdem ein hohes Sicherheitsrisiko, denn die darin enthaltenen Knochen können Zähne beschädigen, sowie zu Erstickung oder Darmverschluss beitragen.

Zurück zum handelsüblichen Nass- und Trockenfutter. Welche Mengen davon sollte man eigentlich verfüttern?

Cornelia Ewering: Die Angaben auf der Verpackung sind lediglich ein Anhaltspunkt für die Fütterungsmenge. Die tatsächlich benötigte Futtermenge kann sogar innerhalb der Wurfgeschwister einer Rasse um bis zu 50 Prozent nach oben und bis zu 20 Prozent nach unten abweichen. Das macht es für Hundehalter nicht unbedingt einfacher.

Bei übergewichtigen Menschen ist ja oftmals das Sättigungsgefühl gestört. Wie ist das bei dem Übergewicht beim Hund? Machen Vierbeiner manchmal ihren Napf leer, obwohl sie gar nicht mehr hungrig sind?

Cornelia Ewering: Hunde und ihre Vorfahren, die Wölfe, leben in Rudeln. Ein Wolfsrudel kann im Gegensatz zum Einzeljäger Beutetiere erjagen, die größer sind. Ein Sättigungsgefühl entwickelt zu haben, wäre beim Fressen im Rudel eine unnötige, um nicht zu sagen störende Fähigkeit für das Überleben des Einzeltieres. Größere Portionen auf einmal fressen zu können, erfordert einen dehnbaren Magen. Wölfe und Hunde können wegen dieser anatomischen Besonderheit mit einer Mahlzeit ein Fünftel (!) ihres Körpergewichtes aufnehmen. Da ist ein Sättigungsgefühl wohl eher nicht zu erwarten. In freier Wildbahn fressen Hunde täglich mindestens 0,07 kg Beutetierfleisch pro kg Körpergewicht, bei einem 15 kg schweren Hund wären das 1.050 g pro Tag. Die 250 g Trockenfutter, die dieser Hund fressen dürfte, hinterlassen also ein „Volumendefizit“ von 800 g. Eines der schon erwähnten Argumente, die für die Verfütterung von Feucht- und Trockennahrung in einem sinnvollen Mischungsverhältnis spricht.

Nicht zu vergessen die Extrakalorien in Form von Leckerlis: Haben Sie hierzu Tipps oder schlagen die kleinen Belohnungen nicht so zu Buche?

Cornelia Ewering: Leckerchen gehen zunehmend über die „normale Belohnung“ hinaus und haben häufig einen Zusatznutzen. Wir sprechen daher von „funktionalen Leckerlies“ die z. B. die Gelenkgesundheit unterstützen oder Dentastix, die die Zahngesundheit positiv beeinflussen können. Wir empfehlen jedoch, dass diese funktionalen Leckerchen nicht mehr als zehn Prozent der täglich verfütterten Kalorien ausmachen sollten. Andere – nicht täglich zu gebende – Snacks sollten 15 Prozent des Kalorienbedarfs nicht überschreiten, also muss in jedem Fall der Energiehalt der Leckerlies von der Gesamtration abgezogen werden!

Warum ist Übergewicht beim Hund so schädlich, welche Folgeerkrankungen drohen?

Cornelia Ewering: Die Liste der Folgeerkrankungen beim Übergewicht beim Hund ist lang: Skelettschäden, wie z. B. Arthrosen, durch die zu hohe Gewichtsbelastung, Herz- und Kreislaufbelastungen, Diabetes mellitus („Zuckerkrankheit“), eingeschränkte Immunabwehr sowie eine reduzierte Narkosetoleranz. Außerdem: Zunehmend Probleme während Hitzeperioden, Neigung zur Bildung bestimmter Tumoren und nicht zuletzt Hauterkrankungen, da sich zwischen den vermehrt entstehenden Hautfalten Keime ansiedeln, die zur Infektion dieser Hautstellen führen. Die Vorteile einer Gewichtsreduzierung sind in einem Satz zu nennen: Hunde mit einem optimalen Gewicht leben länger als Hunde mit Übergewicht.

Liegt Übergewicht beim Hund vor, wie sieht eine Diät aus?

Cornelia Ewering: „Die“ Diät, die zu allen Hunden passt, gibt es nicht. Die Gewichtsreduktion muss maßgeschneidert für den einzelnen Hund entwickelt we den. Wie diese Maßnahmen aussehen könnten, sollte man mit seinem Tierarzt besprechen.

Vielen Dank für das Gespräch und all die Informationen zum Thema Übergewicht beim Hund!

TIER.TV


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