Disneynature Schimpansen

Lange bevor irgendjemand von Oscar und seiner Familie wusste, sogar lange bevor der liebenswerte Schimpanse überhaupt geboren war, überlegten die Filmemacher, in welcher Gegend man den lang erwarteten Film über die Menschenaffen denn ansiedeln könnte. „Regenwälder sind ganz besondere, faszinierende Orte“, erzählt Regisseur Mark Linfield. „Sie stecken voller Leben, und exotischer Geräusche und sind oftmals einfach unfassbar schön. Daher ergriffen wir die Gelegenheit, dem Publikum diese Erfahrungen im Kino zugänglich zu machen.“

Die Republik Côte d’Ivoire, wie das Land offiziell heißt, ist ein Land etwa halb so groß wie Texas, in dem 21 Millionen Menschen leben. Der Taï-Nationalparkliegt etwa 60 Kilometer im Landesinneren und wird seit 1982 als UNESCO-Welterbe geschützt. Das Areal begeistert durch seine unglaubliche Artenvielfalt: Hunderte von Pflanzen- und Tierarten gedeihen innerhalb seiner Grenzen. Nicht zuletzt beherbergt der Taï-Nationalpark auch eine Schimpansenpopulation, deren Bestand und Lebensraum aber durch Abholzungen und Wilderer stark gefährdet ist.

Doch die bloße Existenz von Schimpansen garantiert noch lange keine guten Aufnahmen, bestätigt Regisseur Alastair Fothergill. „Wenn die Schimpansen nicht gesehen werden möchten, hat man keine Chance, denn sie verschwinden einfach im Urwald“, erklärt er. „Verständlicherweise haben die meisten wildlebenden Schimpansen große Angst vor den Menschen.“

Christophe Boesch zählt zu den bekanntesten Schimpansenexperten der Welt und ist Direktor des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie in Leipzig. Er studiert seit mehr als 30 Jahren Schimpansen im Taï-Nationalpark. Obwohl die Tiere dort bislang sehr selten gefilmt wurden, haben sie sich über die Jahre an die Anwesenheit von Christophe Boesch, seinen Studenten und anderen Forschern gewöhnt, die ihnen folgen und sie beobachten. Daher bestanden gute Chancen, dass sie auch das Filmteam und die Kameras in ihrer Gegenwart tolerieren würden.

Für Fothergill und Linfield, die bereits auf jedem Kontinent und in einigen der lebensfeindlichsten Gegenden der Welt gearbeitet haben, gehören die Anstrengungen und die logistischen Herausforderung zu den unangenehmen, aber nötigen Seiten eines Lebens als Naturfilmer. Doch beide empfanden den Taï -Nationalparkals besonders kräftezehrend. „Zu den größten Herausforderungen zählt die extreme Abgeschiedenheit des Gebiets“, erklärt Fothergill. „Erst einmal fährt man von der nächstgelegenen Stadt 6 Stunden lang auf einer Teerstraße. Anschließend geht es vier Stunden lang auf einer unbefestigten, teilweise völlig unpassierbaren Straße weiter. Wenn man es bis dahin geschafft hat, erwartet einen noch ein einstündiger Fußmarsch über einen schmalen Pfad in den Regenwald.“

„Es heißt nicht umsonst ,Regenwald’”, schmunzelt Linfield. „Aber selbst dort gibt es noch eine Regenzeit. Dann verwandeln sich die Straßen in Morast und die Autos bleiben stecken – manchmal tagelang! Dabei ruiniert man schnell mal die Filmausrüstung, und die Luftfeuchtigkeit ist so hoch, dass man sich nie ganz trocken fühlt. Ich liebe den Regenwald, aber der Gedanke, dort eventuell drei Jahre lang zu drehen, war nicht besonders angenehm.“

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Im März 2008 beschlossen die beiden Regisseure, unter der Führung von Christophe Boesch eine Erkundungsreise an die Elfenbeinküste zu unternehmen, um ihren zukünftigen Drehort festzulegen. Der knapp fünf Kilometer lange Fußmarsch durch den Dschungel fühlte sich laut Fothergill an, „als ginge man in der Sauna joggen“. Endlich angekommen, packte Linfield seinen Belichtungsmesser aus – und erhielt kein Ergebnis: Das dichte Blätterdach blockierte jegliches Sonnenlicht! Die Filmemacher hatten zudem Probleme, mit den Schimpansen Schritt zu halten, denn für die war es nicht schwer, sich im dichten Gewirr der Dschungelvegetation fortzubewegen.

„Oft muss man auf den Knien krabbeln, um durch die Lianen zu kommen“, verdeutlicht Linfield, der befürchten musste, dass die dunklen, flüchtigen Silhouetten der Schimpansen auf Film nur wie „Schatten innerhalb der Schatten zu sehen sein würden.“

Doch am letzten Tag ihrer Erkundungstour, als die beiden Regisseure sich schon geschlagen geben wollten, erlebten sie einen gnädigen Wink des Schicksals. „Plötzlich standen wir auf einer sonnenbeschienenen Lichtung im Wald“, erzählt Fothergill, „und da saßen um und auf einem verrottenden Baumstamm mehr als 30 Schimpansen.“ Einige der älteren Tiere hockten in kleinen Gruppen bei der Fellpflege zusammen, heranwachsende Männchen posierten vor den Weibchen und einige kleine Schimpansen rannten einen Termitenhügel auf und ab und versuchten, vor Vergnügen quietschend, den Platz auf der Spitze des Hügels zu verteidigen.

Das waren genau jene Schimpansen, die die Filmemacher bald schon beim Namen kennen würden und die im Zentrum ihres Filmes stehen sollten: Freddy, der mächtige, respektierte Anführer der Gruppe, und die fürsorgliche Mutter Isha, die später den kleinen, fröhlichen und frechen Oscar zur Welt bringen würde – den Star des Films! „Das war wie ein Blick in den Garten Eden“, schwärmt Linfield. Obwohl sie den Film später mit Aufnahmen aus Gabun und dem Ngogo Forest im Kibale-Nationalpark von Uganda ergänzten, fanden sie das Kernstück ihrer Geschichte im Taï Forest. „Natürlich ist es dort nicht einfach zu drehen“, gesteht Fothergill, „aber für mich ist der Taï Forest immer noch einer der außergewöhnlichsten Orte der Welt.“

Boesch willigte ein, dem Team als leitender wissenschaftlicher Berater zur Seite zu stehen, bestand aber zugleich darauf, dass nie mehr als drei Crewmitglieder zusammen mit den Tieren im Wald sein dürften. Außerdem musste das Team versprechen, sich den Tieren auf keinen Fall näher als auf sieben Meter zu nähern und stets eine OP-Maske zu tragen, um das Übertragungsrisiko menschlicher Krankheiten auf die Tiere zu minimieren.

„Ich kannte Alastair Fothergill schon seit über 20 Jahren“, erzählt Boesch. „Ich erwartete, dass Mark und er einen wundervollen Film drehen würden, und meine Erwartungen haben sich erfreulicherweise voll erfüllt. Außerdem erhoffte ich mir von dem Film, dass das Bewusstsein über die dramatische Lage der Schimpansen gesteigert und eine Hilfsbereitschaft zum Schutz des Taï Forest und der darin lebenden Tiere geweckt würde. Das ist für mich das wichtigste Ziel.”

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HINTER DEN KULISSEN VON ‚SCHIMPANSEN‘

SCHIMPANSEN nimmt das Publikum mit auf eine aufregende Reise in das tropische Afrika und erlaubt einen unmittelbaren Blick auf einige der faszinierendsten Charaktere der Tierwelt. In 78 Minuten geht es hin und zurück zum Regenwald, wo die Regisseure Alastair Fothergill und Mark Linfield mit ihrem Team drei Jahre damit verbrachten, das Material für ihren außergewöhnlichen Film zu sammeln. Während dieser Zeit standen sie vor enormen technischen und logistischen Herausforderungen, mussten Schwärmen aggressiver Bienen, Wolkenbrüchen, einigen der giftigsten Schlangen der Welt und natürlich den Schimpansen trotzen, die auf der Suchen nach leckeren Nüssen der Kamera gerne den Rücken zukehrten.

ACTION!?!

Bei typischen Hollywood-Dreharbeiten kommt der Regisseur üblicherweise morgens an den Set und kann damit rechnen, seine Schauspieler vorzufinden, bereit für den Dreh. Doch bei Naturfilmen ist alles anders. Da müssen die Regisseure ihre Hauptdarsteller bisweilen stundenlang suchen. „Ich habe ja schon beinahe jede Tierart in allen denkbaren Umgebungen auf der Welt gefilmt“, stöhnt Fothergill, „aber ohne Zweifel sind die Filmarbeiten mit Schimpansen im Regenwald das denkbar Schwierigste.“

Schon vor Beginn der Dreharbeiten stand der leitende Logistikmanager der Produktion, Edward Anderson, vor der schwierigen Aufgabe, innerhalb von drei Monaten ein Camp für die Crew inmitten des Taï Forests zu errichten. Dazu gehörten Schlafmöglichkeiten, die Küchenräume, eine zuverlässige Stromversorgung und modernste technische Einrichtungen, in denen die Filmemacher ihr Material nach Drehschluss sichten konnten. Da die nächstgelegene Stadt zwei Tagesreisen entfernt lag und die einzige benutzbare Straße eine Stunde Fußmarsch vor dem geplanten Standort des Camps endete, hatten Anderson und das einheimische Team keine andere Möglichkeit, als alles Notwendige in den Regenwald zu tragen.
Darunter waren 2,5 Tonnen Zement, sieben Tonnen Holz, 400 Lagen Dachblech und je vier Lastwagenladungen Sand und Kies. Linfield und Kameramann Martyn Colbeck flogen an die Elfenbeinküste, um Anderson im Taï Forest zu unterstützen. Dabei gab es noch eine letzte Hürde, die sie vor Drehbeginn überwinden mussten. Christophe Boesch machte sich Sorgen um die körperliche Fitness der Regisseure: Schimpansen legen täglich zwischen 15 und 25 Kilometer im dichten Dschungel zurück. Daher war es oft hart für die Forscher und die sie unterstützenden Studenten, mit den Tieren mitzuhalten – und sie mussten zuerst nicht mehr als ein Notizbuch und Stifte mit sich herumtragen. Schweres Kameraequipment mitzuschleppen würde die Sache noch wesentlich schwieriger machen.

So dachte sich Boesch für die Gewöhnung der Filmemacher an die zu erwartenden unerbittlichen Bedingungen ein Programm aus, das die Filmemacher später als „Schimpansen-Bootcamp“ bezeichnen sollten. „Meiner Erfahrung nach kann man den Leuten zwar davon erzählen, wie schwierig es ist, sich im Regenwald fortzubewegen und die Schimpansen zu begleiten, doch wirklich verstehen kann man das nicht“, sagt Boesch. „Die Schimpansen sind im Regenwald aufgewachsen und bewegen sich auf vier Beinen, daher sind sie sehr schnell.“

„Im Grunde genommen tat Christophe so, als sei er ein Schimpanse, und wir mussten versuchen, mit ihm mitzuhalten“, erinnert sich Colbeck. „Er begann damit, sehr schnell durch den dichtesten Wald und das denkbar schwierigste Terrain zu laufen. Dann begab er sich auf alle viere und das war unser Signal, damit zu beginnen, den ,Schimpansenʼ zu filmen. Also stellten wir die Kamera und das Stativ auf, und in dem Augenblick, als wir losfilmen wollten, raste Christophe schon wieder davon und versuchte uns abzuhängen.“

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VERSTECKSPIELE

Nach dem Start der echten Dreharbeiten merkte das Team schnell, dass das Auffinden der Schimpansen und ihre Verfolgung im Wald nur eine Seite des Problems darstellte: Die ersten drei Drehmonate herrschte Regenzeit im Taï Forest! Die jährliche Niederschlagsmenge im Taï Forest liegt bei 1.700 – 2.200 mm pro Quadratmeter – etwa dreimal so viel wie in Hamburg. Der größte Teil davon fiel in genau den Augenblicken, als die Filmemacher ihre Kameras positioniert hatten, um zu drehen.

„Wir fühlten uns wie in der Autowaschanlage“, schmunzelt Fothergill. „Die Ironie an der Sache ist, dass Schimpansen sich aufgrund ihrer charismatischen Art ideal fürs Kino eignen“, erzählt Linfield. „Gleichzeitig sind sie technisch gesehen die schwierigsten Wildtiere, die zu filmen man sich vorstellen kann. Sie leben an einem dunklen Ort – oft kann man wegen des dichten Blätterdachs die Hand nicht vor Augen sehen –, an dem es ständig regnet.“

„Ihr dunkles Fell absorbiert das Licht wie ein schwarzes Loch“, verdeutlicht Colbeck. „Sobald aber die Sonne durchblitzt, werden die Kontraste zu stark und das Bild ,frisst aus‘, wie wir sagen. Ich denke, 90 Prozent dessen, was ich gesehen habe, konnte ich nicht filmen. Wenn ich eine brauchbare Einstellung pro Tag hinbekommen habe, war ich ziemlich glücklich.“

Die ersten Drehwochen wurden zudem dadurch erschwert, dass die Filmemacher erkennen mussten, dass einige ihrer Taï-Schimpansen einfach nicht am Rampenlicht interessiert waren. „Schimpansen verhalten sich in etwa wie Menschen auf einer Party“, erklärt Colbeck. „Manche möchten fotografiert werden, andere nicht. Sobald wir die Kamera und das Stativ aufgestellt hatten, liefen sie zwar nicht unbedingt davon, aber sie drehten sich einfach um und zeigten der Kamera den Rücken.“

Das Blatt wendete sich glücklicherweise nach einigen Drehmonaten, als das Kamerateam beim Treck durch den Dschungel plötzlich seltsame Geräusche von oben vernahm. Als das Team auf einer sonnenbeschienenen Lichtung ankam, fand es eine ihnen vertraute Schimpansengruppe vor – darunter auch Oscar, Isha, Freddy und ihre gesamte Großfamilie. Sie waren aufgeregt damit beschäftigt, ihre Leibspeise, die Walnuss-ähnlichen Coulanüsse zu knacken, die gerade reif geworden waren. Sie benutzten Baumwurzeln als Ambosse und knackten die Nüsse darauf mit Hilfe harter Holzstücke und großer Steine. Während die erwachsenen Tiere fleißig mit Schälen beschäftigt waren, wuselten die Kleinen herum und bettelten um Nussstückchen oder spielten in den nächstgelegenen Ästen.

„Die Schimpansen im Taï Forest sind bekannt dafür, die Nüsse auf diese Art zu knacken und dazu hölzerne und steinerne Hämmer zu benutzen“, verrät Fothergill. „Das ist umso bemerkenswerter, als sie die Steinhämmer dazu bis zu einigen hundert Metern durch den Wald schleppen.“ Die Bilder, die nur selten zuvor auf Film gebannt werden konnten, beweisen ihre erstaunliche Intelligenz, Verspieltheit und absolute Lebenslust. „Das Witzigste an den Nussszenen sind die erfolglosen Versuche der Kleinen, das Nüsseknacken auch zu lernen“, erzählt Linfield. „Sie machen es andauernd falsch. Sie benutzen den Hammer und erwischen statt der Nuss ihren eigenen Fuß oder sie probieren es mit einem Stück Holz als Hammer, das dann prompt zerbricht.“

Weil die Schimpansen täglich stundenlang zufrieden mit Nüsseknacken zubrachten und oft mehrmals am Tag dieselben Bäume aufsuchten, lernten die Filmemacher viel über deren Gruppendynamik und die Persönlichkeiten der einzelnen Tiere. „Jeder liebte Oscar vom ersten Augenblick an“, erinnert sich Fothergill. „Er hat so eine verspielte, aber auch freche Art und außerdem ist er ziemlich stur.“

Colbecks Herz hing besonders an Isha. Sie war schon ziemlich alt und hatte eine Ausstrahlung, die sowohl Weisheit als auch eine große Lebenserfahrung vermittelte. „Das sah man auch in der Art, wie die anderen Tiere auf sie reagierten“, erklärt er. „Sie war eine fabelhafte Mutter und hatte unglaublich viel Geduld mit Oscar.“

Im Fall von Freddy gab es aufgrund seiner Präsenz und seines Charismas keine Zweifel, wer der Anführer war. „Er war ein echter Kraftmeier und gleichzeitig konnte er so zärtlich sein“, erzählt Fothergill. „Außerdem sieht er super aus!“

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SCHICKSALSSCHLAG

Als eine gegnerische Schimpansentruppe auftauchte und das scheinbar idyllische Leben von Isha, Oscar und dem Rest der Gruppe gefährdete, erkannten die Filmemacher, dass Freddys Tapferkeit auf die Probe gestellt werden würde. Schimpansen geraten oft mit Nachbargruppen in Territorial- und Futterstreitigkeiten, deshalb machten sich alle große Sorgen um das Schicksal von Oscar und den anderen Schimpansen. Gleichzeitig aber wurde ihnen bewusst, dass sie nun eine weitere Hauptzutat ihres Dramas gefunden hatten: eine bedrohliche Truppe Bösewichter und eine spannende Wendung des Plots. Der Anführer der zweiten Gruppe war ein älteres Männchen, genannt Scar. Er machte seinem Namen alle Ehre und wirkte mit seinem verlebten Erscheinungsbild wie ein alternder Boxer, der bereits einen Kampf zu viel durchgestanden hat.

Schon nahmen die Ereignisse eine tragische Wendung und stellten die Zukunft des gesamten Projekts in Frage. Frühere Zusammentreffen zwischen Freddy und den Rivalen, die sich in seinem Territorium breitmachen wollten, waren stets relativ glimpflich verlaufen. Doch schließlich gipfelten die Reibereien in einem tragischen Ereignis, bei dem Oscar von Isha getrennt wurde und sich sein Leben für immer veränderte.
Christophe Boesch schätzt, dass die Hälfte aller neugeborenen Schimpansen innerhalb der ersten fünf Lebensjahre stirbt. Auch Oscar war noch immer von Isha, ihrer Muttermilch und ihrem Schutz abhängig. Ohne sie waren seine Überlebenschancen schlecht. „Wir hatten uns zu dem Zeitpunkt schon alle in Oscar verliebt“, gesteht Fothergill, „deshalb war es auch so unglaublich schmerzhaft, ihn so allein und schutzlos zu sehen. Zudem hatten wir bereits unseren Anruf bei Disney im Hinterkopf, bei dem wir sagen mussten: ‚Sorry Jungs, aber wir haben keinen Film!‘“

Mit Argusaugen beobachtete das Team Oscar, wie er einsam und offenbar schwer traumatisiert hinter den anderen Schimpansen hertrottete und täglich schwächer wurde. Just als es hoffnungslos aussah, passierte laut Fothergill ein kleines Wunder. „Oscar näherte sich Freddy auf seine traurige Art, als ob er sagen wollte: ‚Keiner kümmert sich um mich. Wie schaut es mit dir aus?‘ Und Freddys Antwort war das Unglaublichste, Erstaunlichste und Unvorhersehbarste, was ich je gesehen habe.“
Freddy ließ Oscar auf seinen Rücken klettern und von nun an trug der Patriarch den kleinen Schimpansen durch den Regenwald, wie es Isha einst getan hatte. Es war außergewöhnlich. Alphamännchen wie Freddy kümmern sich äußerst selten um die Jungen – und ein solches Verhalten war noch nie gefilmt worden.
In den nächsten Tagen blieb Oscar so nah wie möglich bei seinem neuen Beschützer. Schon bald knackte Freddy Nüsse für ihn, teilte sein Schlafnest in der Nacht mit ihm und lauste das Schimpansenbaby vorsichtig. „Es war einfach unglaublich und sehr berührend, wie dieser große, normalerweise recht rüpelhafte Schimpansenmann seine ganze Liebe und Hingabe in die Pflege von Oscar steckte“, freut sich Linfield.
Linfield erinnert sich an die ersten Versuche Freddys, seinen neu adoptierten Sprössling zu pflegen. „Er hat wie alle Schimpansenmännchen diese großen, langen Wurstfinger, aber er hat sein Bestes gegeben“, erzählt der Regisseur. „Irgendwann kam dann der Moment absoluter Vertrautheit, als Freddy Oscar in seinen Armen schlafen ließ.“ Linfield fügt hinzu: „Es war klar, dass die Story von Oscar und Freddy anderen Leuten genauso nahegehen würde wie uns.“

Zwei der weltbekanntesten Schimpansenexperten zeigten sich besonders berührt. Dr. Jane Goodall, eine der führenden Umweltschützerinnen und eine Spezialistin in Sachen Schimpansenverhalten schwärmt: „Die Adoption eines Schimpansenbabys durch ein erwachsenes Alphamännchen war noch nie zuvor gefilmt worden. Einmal konnten wir das V erhalten bei einem 12-Jährigen am Gombe Stream Research Center in Tansania beobachten, aber das ist eine ganze andere Sache, wenn ein männlicher Anführer sich so verhält. Es ist eine echte Sensation, dass das genau während der Dreharbeiten passiert ist!“

„Die Sache ist so unglaublich, denn als Alphamännchen oder Anführer muss man bestimmte Rollenbilder erfüllen“, fährt Goodall fort. „Es gilt, den Zusammenhalt unter den Männchen zu bewahren, um Revierstreitigkeiten zu verhindern. Die Pflege und Beaufsichtigung eines Babys, das Herumtragen auf dem Rücken, die Fellpflege – all diese Dinge lenken von der normalen Rolle des Alphamännchens ab. Das ist eine altruistische Rolle, und daher besonders interessant, weil genau dieses altruistische Verhalten genauso gut zum Untergang der gesamten Gruppe oder zumindest zum Verlust der Territoriums hätte führen können.“

Christophe Boesch stimmt zu. „Ich habe noch nie gesehen, dass ein Männchen wie Freddy die Rolle der Mutter derart übernimmt. Es hat mich sehr berührt, wie sehr sich Oscar nach Schutz und Nähe sehnte und wie zärtlich Freddy darauf eingegangen ist. Das fand ich absolut ungewöhnlich.“

DAS GROSSE GANZE

Oft standen die Filmemacher vor dem Problem, die luftige, sonnendurchflutete und pulsierende Welt hoch droben in den Baumwipfeln mit den passenden Bildern festzuhalten. „Glücklicherweise ist Mark [Linfield] in solchen Dingen ein absolutes Genie”, freut sich Fothergill. „Natürlich machten wir auf traditionelle Weise Luftaufnahmen aus einem Helikopter, doch damit kommt man nicht zwischen die Bäume. Also befestigte Mark mit seinem fantastischen Team Kabel von den Baumspitzen zu den Wurzeln, die uns diese großartigen Verfolger-Aufnahmen durch den gesamten Wald und einen tollen Weitblick über die Baumkronen lieferten.“

„Wir kombinierten ganz bodenständige mit absoluten Hightech-Lösungen“, erklärt Linfield. „Die supermoderne Kamera wackelte zum Beispiel beim Entlanggleiten an den Kabeln – also stabilisierten wir sie mit alten Rennrad-Reifen.“ Die resultierenden Aufnahmen wurden von Dr. Jane Goodall begeistert aufgenommen.

„Es gibt unglaublich schöne Zeitrafferaufnahmen und beeindruckende Bilder von Stürmen und den Affen, wie sie in den Baumwipfeln klettern“, freut sich Goodall. „Das sind magische Momente – nur vor Ort sein ist besser!“

Christophe Boesch ist überzeugt, dass die Kinogänger nun einen besseren Blick auf die Schimpansen bekommen als die Forscher selbst. „Die Bildqualität von SCHIMPANSEN ist so beeindruckend“, schwärmt er , „meine Studenten und ich fanden die Bilder im Kino fantastisch! Plötzlich konnten wir die Gesichter dieser uns so vertrauten Individuen ganz klar und nah sehen, wie wir es noch nie zuvor erlebt hatten.“

Wenn es nach den Filmemachern geht, wird der Film nicht nur im Kino Spuren hinterlassen. „Schimpansen sind vom Aussterben bedroht“, sagt Linfield, „aber wir wollten keinen Film mit erhobenem Zeigefinger machen. Uns geht es darum, zu unterhalten, die Leute in den Wald mitzunehmen und Spaß zu bieten, damit das Publikum auch seine Freunde animiert, in den Film zu gehen. Trotzdem bin ich überzeugt, dass die Zuschauer nicht nur Freude an SCHIMPANSEN haben werden, sondern auch beginnen werden, darüber nachzudenken, dass die Tiere unseren Schutz verdienen. Wer könnte dem kleinen Oscar schon widerstehen? Diese Zuneigung ist essenziell: Man schützt nur das, was man liebt.“

„Ich fand den Film wunderbar“, schwärmt Dr. Goodall und fügt hinzu, „ besonders wenn man etwas über die Entstehungsbedingungen weiß. Ich bewundere die Filmemacher immens. Wir erleben Drama, spannende Ereignisse, traurige Momente, aber natürlich auch jede Menge Humor.“

Auch Fothergill hat für SCHIMPANSEN einen besonderen Platz in seinem Herzen reserviert. „Man wird als Naturfilmer immer nach seinem Lieblingstier gefragt und seit 25 Jahren sage ich ‚Schimpansen‘. Dieser Film hat einmal mehr meine absolute Leidenschaft für diese Wesen bestätigt. Wenn wir nur einen Teil dieser Begeisterung auf die Zuschauer übertragen können, bin ich glücklich. Die Kinder werden das Schimpansenbaby lieben, die Mütter können sich voll mit Ishas Liebe zu Oscar identifizieren und die Männer werden sich wünschen, so cool wie Freddy zu sein.“

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DIE CREW

ALASTAIR FOTHERGILL |Regie und Produktion

Das Wall Street Journal bezeichnete Fothergill einst als den „Steven Spielberg des Naturfilms“. Zuletzt realisierte Fothergill die Disneynature-Produktionen UNSERE ERDE und (zusammen mit Keith Scholey) IM REICH DER RAUBKATZEN, die beide zu den vier erfolgreichsten abendfüllenden Naturfilmen der nordamerikanischen Kinogeschichte zählen. Zuvor hatte Fothergill unter anderem DEEP BLUE als Regisseur in Szene gesetzt.

Von 2002 bis 2006 produzierte Fothergill die von der Kritik hochgelobte Doku-Serie „Planet Earth“. In jüngerer Zeit realisierte er als ausführender Produzent zudem die BBC/Discovery- Channel-Serie „Frozen Planet“ über den Lebensraum der Polarregionen. Zu seinen vielen weiteren Projekten zählen „Life In the Freezer” und „The Trials of Life”.

Fothergill studierte Zoologie an der Durham University und startete seine Laufbahn 1983 in der renommierten Natural History Unit der BBC, deren Leitung er schließlich von 1992 bis 1998 innehatte. Wenn er nicht gerade dreht, ist Fothergill ein begeisterter Spaziergänger und Hobbykünstler.

MARK LINFIELD |Regie und Produktion

Zusammen mit Alastair Fothergill hatte Linfield bereits die extrem erfolgreiche Disneynature- Produktion UNSERE ERDE gedreht. Zuletzt inszenierte Linfield eine Episode der BBC/Discovery- Channel-Serie „Frozen Planet“ – sie ist das Nachfolgeprojekt der Doku-Hitserie „Planet Earth“ – und fungierte als Produzent der gesamten Serie.

Als Produzent und Regisseur verantwortete Linfield das preisgekrönte Projekt „Capuchins: The Monkey Puzzle” sowie zwei Episoden der mehrfach Emmy®-gekrönten Serie „Planet Earth”, darunter auch die erste Folge „Pole to Pole”.

In seiner Karriere hat Linfield zudem die TV-Dokumentationen „The Triumph of Life”, „Gelada Baboons: The Battles of Braveheart”, „Orangutans: The High Society” und „The Temple Troop” gedreht. Außerdem führte er Regie bei der BAFTA-nominierten Produktion „The Life of Mammals” mit Sir David Attenborough.

DIE WISSENSCHAFTLICHEN BERATER

CHRISTOPHE BOESCH | Wissenschaftlicher Hauptberater

Als führender wissenschaftlicher Berater von SCHIMPANSEN war Christophe Boesch mit seinem Schimpansencamp zugleich Hausherr des für lange Zeit wichtigsten Drehorts im Taï Forest an der Elfenbeinküste. Nachdem er an den Universitäten von Genf und Zürich seinen Doktor gemacht hatte, vertiefte er sein Studium an der Universität Basel. Seit mittlerweile mehr als 30 Jahren beschäftigt sich Boesch mit dem Verhalten von Schimpansen.

Er war 1995 und 1996 Gastprofessor an den Universitäten Rennes und Paris und ist derzeit Direktor des Max Planck Instituts Leipzig. Boesch veröffentlichte in seiner Laufbahn bisher mehr als 200 wissenschaftliche Arbeiten und mehrere Bücher, darunter The Chimpanzees from the Taï Forest (mit Hedwige Boesch), The Real Chimpanzee: Sex Strategies in the Forest und Wild Cultures: A Comparison between Chimpanzee and Human Cultures.

Christophe Boesch sitzt zudem im Führungsgremium verschiedener Vereinigungen, darunter dem der IUCN Primate Specialist Group, und ist leitendes Mitglied und Ko-Vorstand des Projekts Scientific Committee of the Great Apes Survival (UNESCO GRASP).

Im Jahr 2000 gründete Boesch die Wild Chimpanzee Foundation (WCF) die Naturschutz Projekte in und um den Tai National Park mit und für die lokale Bevölkerung durchführt. Die WCF initiiert viele Projekte zum Schutz der wildlebenden Schimpansen auch in anderen Regionen der Elfenbeinküste sowie in Liberia, Sierra Leone und Guinea. .

Christophe Boesch wurde erst kürzlich mit dem Titel“Officer of the Ordre National” vom Präsidenten der Republik Elfenbeinküste für seine Verdienste um den Schutz der wildlebenden Schimpansen und deren Habitat, den tropischen Regenwäldern, geehrt..

http://www.eva.mpg.de/primat/staff/boesch/

http://www.wildchimps.org

JOHN MITANI | Wissenschaftliche Beratung

John Mitani ist akademischer Professor am James N. Spuhler Institut sowie Vorstandsmitglied des Lehrstuhls für Anthropologie an der University of Michigan. Der auf Menschenaffen spezialisierte Verhaltensökologe betreibt seit mehr als 30 Jahren Feldforschung über das Verhalten aller fünf Primaten: Gibbons und Orang-Utans in Indonesien, Gorillas in Ruanda, Bonobos in der Demokratischen Republik Kongo und Schimpansen in Uganda und Tansania.

Seit 1995 führt Mitani eine Langzeitstudie über die außergewöhnlich große Schimpansenpopulation von Ngogo im Kibale-Nationalpark von Uganda durch. Dabei konzentriert er sich auf das Sozialverhalten der Menschenaffen, aktuell auf die Teamarbeit unter den männlichen Tieren.

 Vor einigen Jahren wurde John Mitani vom US-Präsidenten zum Mitglied der U.S. National Science Foundation Presidential Faculty ernannt; zuletzt berief man ihn als Neumitglied zur Animal Behavior Society. Er ist einer der Herausgeber von Advances in the Study of Behavior und sitzt in der Chefredaktion von International Journal of Primatology, Primates und dem Journal of Human Evolution.

DAVID WATTS| Wissenschaftliche Beratung

Der Professor für Anthropologie lehrt an der Yale University eine Vielzahl an Fächern, darunter auch das Verhalten von Menschenaffen, Ökologie, evolutionäre Ansätze der V erhaltensforschung beim Menschen, Jäger-und-Sammlergesellschaften und den Artenschutz von Primaten.

Sein Fokus liegt auf der Erforschung des Verhaltens und der Arterhaltung von Primaten und er hat bereits intensive Feldforschungen bei den Kapuzineräffchen in Panama, den Berggorillas in Ruanda und den Schimpansen in Uganda betrieben.

Zahlreiche Film- und Dokumentarfilm-Teams setzten schon auf seine Expertise: So war Watts bereits in Ruanda bei den Dreharbeiten zu GORILLAS IM NEBEL vor Ort. Mit Fothergill und Bill Wallauer hatte er schon im Rahmen der Schimpansenfolge von „Planet Earth” zusammengearbeitet.

Als Kollege von Dr. Jeremiah Lwanga und Dr. John Mitani leitet Watts seit 1995 ein Forschungsprojekt über das Verhalten von Schimpansen in Ngogo im Kibale-Nationalpark.

DR. JANE GOODALL

Dr. Jane Goodall, DBE (Dame of the British Empire), Gründerin des Jane Goodall Instituts (JGI) und UN-Botschafterin für den Frieden, begann ihre wegweisenden Studien über das Verhalten der Schimpansen 1960 im heutigen Tansania. Ihre Arbeit am Gombe-Fluss bildete den Grundstein für jegliche weitere Primatenforschung und stellt bis heute eine Zäsur bei der Wahrnehmung der Beziehungen von Menschen und Tieren dar.

1977 gründete Dr. Goodall das Jane Goodall Institute, das noch heute ihre Arbeit am Gombe-Fluss zum Schutz von Schimpansen und ihrem Lebensraum fortführt. Das JGI wurde berühmt durch die Entwicklung innovativer Schutzmaßnahmen in Afrika, die auch die Bevölkerung und deren Entwicklung stark einbeziehen.

Ebenfalls weltbekannt wurde Jane Goodalls „Roots & Shoots“-Programm, das in 120 Ländern Umweltschutzgruppen und Entwicklungshilfeprogramme unterhält. Dr. Goodall rief Roots & Shoots 1991 mit einer Gruppe tansanischer Schüler und Studenten ins Leben. Heute verbindet die Initiative tausende junger Menschen in über 120 Ländern in ihrem Bestreben, die Welt zu einem besseren Ort für Menschen und Tiere zu machen und die Umwelt zu schützen.

Dr. Goodall ist an durchschnittlich 300 Tagen im Jahr auf Reisen, hält Vorträge über die bedrohliche Lage der Schimpansen, andere Umweltkrisen und ihre Gründe, weiterhin darauf zu hoffen, dass die Menschen ihre selbst verursachten Probleme in den Griff bekommen.

Die Pionierin ist unter anderem Mitglied der französischen Ehrenlegion sowie Trägerin der Medal of Tanzania und des begehrten japanischen Kyoto-Preises. 2002 ernannte man Dr. Jane Goodall zur UN-Botschafterin für den Frieden, ein Jahr später bekam sie den Titel Dame of the British Empire verliehen.

Mehr Informationen über Dr. Goodall und die Arbeit des Jane Goodall Instituts gibt es auf www.janegoodall.org sowie www.janegoodall.de

ENGAGEMENT ZUM SCHUTZ DER SCHIMPANSEN

WILD CHIMPANZEE FOUNDATION

Die Wild Chimpanzee Foundation, deren Gründer und Präsident Christophe Boesch während der Dreharbeiten von SCHIMPANSEN als wissenschaftlicher Hauptberater fungierte, engagiert sich für das Überleben der letzten Schimpansenpopulationen in ihrem angestammten Lebensraum, den tropischen Regenwäldern Afrikas.

Sie hat sich zum Ziel gesetzt, die rund 20.000 bis 25.000 Schimpansen, die in insgesamt 17 Ländern dieser Region leben, zu schützen. Durch entsprechende Maßnahmen soll aber auch die ganze Vielfalt des Sozialverhaltens dieser Spezies, die immer noch kaum erforscht ist, bewahrt werden. Die Wild Chimpanzee Foundation arbeitet eng mit den Verantwortlichen des Taï-Nationalparks (wo SCHIMPANSEN gedreht wurde) zusammen, um den Schutz der Schimpansen und dieses einzigartigen Waldes zu verbessern. Dazu gehört eine jährliche Bestandsaufnahme der Situation im Nationalpark, was zu einer Optimierung der Überwachung beitragen und bei der Entwicklung neuer Schutzstrategien helfen soll. Darüber hinaus soll das ökologische Bewusstsein in den angrenzenden Dorfgemeinschaften verbessert werden, außerdem werden sozioökologische Mikroprojekte entwickelt und angeboten.

Schimpansen zu schützen heißt, das Überleben des letzten Bindeglieds zwischen uns Menschen und der heutigen Tierwelt zu garantieren. In ihrem angestammten Lebensraum aktiv zu werden, das bedeutet schließlich auch, nicht nur die Lebensbedingungen von anderen gefährdeten Arten zu verbessern, sondern dem Regenwald selbst zu helfen, wo die jahreszeitliche Niederschlagsverteilung für die menschlichen Populationen und ihre Pflanzungen von entscheidender Bedeutung ist.

Mehr Informationen über die Wild Chimpanzee Foundation erhalten Sie unter www.wildchimp.org und zur Wissenschaft hinter dem Film unter www.schimpansen.mpg.de

Mit dem Kinostart von SCHIMPANSEN in Deutschland unterstützt Disneynature die Artenschutzbemühungen der Wild Chimpanzee Foundation für wildlebende Schimpansen mit einem Teil der Einnahmen in der ersten Filmwoche. 

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