Größte Adlerrochenzucht der Welt in Arnheims Ozean

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Adlerrochen vor dem Panoramafenster

Königliche Geschöpfe in einem „königlichen“ Tierpark: Burgers‘ Zoo im niederländischen Arnheim ist der weltweit größte Züchter von Gefleckten Adlerrochen. Bisher wurden in dem Traditionszoo, der zu seinem 100-jährigen Jubiläum im vergangenen Jahr das Prädikat „königlich“ erhielt, 37 Adlerrochen geboren.

Die in tropischen Gewässern lebenden Tiere brauchen viel Platz und stellen hohe Anforderungen an die Zusammensetzung des Wassers, die Wasserqualität und die Strömung in ihrem Becken. Der Schlüssel zum Zuchterfolg: Biologen und Tierpfleger im Burgers‘ Ocean investieren täglich viele Stunden in die Versorgung der Knorpelfische. Die Adlerrochen werden individuell gefüttert und ihre Daten aufwendig analysiert. Auch nach Hannover und Hamburg wurden schon Tiere vermittelt.

Im Burgers‘ Zoo wandeln die Besucher durch sieben Öko-Displays, die weitestgehend den natürlichen Lebensräumen der tierischen Bewohner entsprechen. Neben Regenwald, Savanne oder Felswüste gehört auch ein Ozean zu den authentisch nachgestellten Lebensräumen. Das größte lebende Korallenriff in Aquarien außerhalb Australiens umfasst 100.000 Liter Wasser – und ist auch das Zuhause der Gefleckten Adlerrochen. Ihnen hat das Ocean-Team beigebracht, das Futter von einer Futterzange zu nehmen. Genauso, wie die Mitarbeiter den Tieren antrainiert haben, zu einem festen Fütterungsplatz zu kommen. Hier steht ein Brett diagonal im Wasser. Die Tiere schwimmen am Brett hoch und nehmen ihr Futter direkt von der Futterzange an.

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Fütterung mit Futterzange

Durch die individuelle Fütterungsmethode wissen die Biologen und Tierpfleger genau, was und wieviel jeder Rochen frisst. Parallel können zusätzliche Vitamine gefüttert werden, um eine ausgewogene Ernährung der Rochen sicherzustellen. „Außerdem verhindern wir mit dieser Methode, dass andere Fischarten den Adlerrochen das Futter vor der Nase wegschnappen, etwa die pfeilschnellen tropischen Makrelenarten, die im selben Becken leben“, erklärt Max Janse, Biologe und Kurator im Burgers‘ Ocean. „Die Fütterungsmethode bietet uns zudem die einzigartige Chance, die Tiere täglich von Nahmen zu betrachten. Benimmt sich das Tier normal? Hat es Hautparasiten oder Verletzungen, die wir uns näher ansehen sollten? So können wir für bestes Wohlergehen der Adlerrochen sorgen.“

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Vermessung eines Jungtiers

Die Jungtiere der Adlerrochen schlüpfen noch im Körper der Mutter aus ihrem Ei. In den ersten drei Monaten dient das dotterreiche Ei als Nahrungsquelle, anschließend bekommt das Jungtier seine Nahrung durch die Gebärmutterwand. Bis zur Geburt nach einer Tragezeit von ungefähr acht Monaten liegt das wachsende Jungtier aufgerollt im Körper der Mutter. „Wir vergleichen das gerne mit einem Pfannkuchen“, lacht Janse. „Bei der Geburt sieht der kleine Adlerrochen dann bereits wie eine Miniaturausgabe der Eltern aus.“

Weltweit züchten nur wenige öffentliche Aquarien erfolgreich Adlerrochen. Deshalb sind alle Daten, die von den Mitarbeitern im Burgers‘ Ocean gesammelt werden, wichtig, um mehr Wissen über diese Fischsorte zu erlangen. „Obwohl wir immer mehr über die Adlerrochen lernen, gibt es noch viele unbekannte Seiten“, so Janse, der gemeinsam mit den Tierpflegern auf dem wissenschaftlichen Gebiet Pionierarbeit leistet.

Vaterschaftstest mit DNA des Giftstachels

Im Rahmen des europäischen Zuchtprogramms, das Burgers‘ Zoo für Adlerrochen aufgebaut hat, ist es sehr wichtig, die Eltern von jedem neugeborenen Jungtier genau zu identifizieren. Bei Säugetieren nimmt der Tierarzt einige Haare, bei Vögeln Federn für eine DNA-Analyse. Bei Fischen aber ist es um Einiges schwieriger, an DNA-Material zu gelangen. Selbst das Blutabnehmen ist bei den Adlerrochen nicht einfach und vor allem nicht stressfrei für das Tier. Janse hat eine neue Technik entwickelt, die sich als erfolgreich herausgestellt hat: „Der Giftstachel der Adlerrochen befindet sich am Hinterleib am Schwanzansatz. Anders als bei Stechrochen, wo der Stachel in der Mitte des Schwanzes sitzt. Man kann den Adlerrochen ein kleines Stück vom Stachel abschneiden, ohne dass das Tier etwas merkt. Es ist ungefähr so, als wenn wir uns die Nägel schneiden. Anschließend wächst der Stachel ganz normal weiter“, erklärt Janse. Und weiter: „Im Labor können wir die DNA analysieren, die in der dünnen Hautschicht rund um den Stachel vorhanden ist. Dabei kommen manchmal überraschende Ergebnisse zutage. So können Zwillinge genetisch betrachtet zwei verschiedene Väter haben. Das Weibchen wurde dann offensichtlich kurz nacheinander von mehreren Männchen befruchtet.“

Ein Transport mit Feingefühl

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Fang für den Transport

Wenn ein Adlerrochen zu einem anderen öffentlichen Aquarium transportiert werden muss, bringt das große Herausforderungen mit sich. Obwohl sie für eine kurze Zeit auf dem Boden liegen können, verbringen die Tiere einen großen Teil ihres Lebens schwimmend. Deshalb ist für den Transport ein großer Wasserbehälter nötig, der mit einem Deckel versehen ist, damit das Tier unterwegs nicht aus dem Behälter springt. Während des Transports wird kontinuierlich gemessen, ob das Tier ausreichend Sauerstoff zur Verfügung hat und wie es um die Wasserqualität steht. „Nach der Ankunft muss der Adlerrochen erst eingewöhnt werden. Das heißt, dass das alte Wasser Schritt für Schritt durch das Wasser aus dem neuen Aquarium ersetzt wird. Wichtig ist, dass die Unterschiede in der Temperatur, der Wasserqualität und der Wassermischung nur gering sind“, weiß Janse.

Die erste Zeit im neuen Aquarium verbringt der Adlerrochen in Quarantäne, damit er sich in aller Ruhe vom Transport erholen und in neuer Umgebung akklimatisieren kann. Zudem soll sichergestellt werden, dass er normal frisst. Janse: „Das Menü im neuen Aquarium kann natürlich etwas anders sein. Es ist deshalb wichtig, dass der Adlerrochen sich hieran gewöhnt und wieder gut frisst, bevor er aus der Quarantäne zu den anderen Tieren entlassen wird.“

Von Arnheim aus wurden junge Adlerrochen schon nach Hamburg und Hannover, aber auch in andere europäische Städte wie Kopenhagen, Valencia, Teneriffa, Cherbourgh, Boulogne-sur-Mer und Montpellier transportiert. Durch die DNA-Analysen können genetisch unabhängige Pärchen gebildet werden, die für weiteren Nachwuchs sorgen.

Burgers‘ Zoo ist an allen Tagen des Jahres geöffnet, also auch an allen Feiertagen.
Es gelten folgende Öffnungszeiten:

vom 1. April 2014 bis zum 31. Oktober 2014 von 9:00 bis 19:00 Uhr
vom 1. November 2014 bis zum 31. März 2015 von 9:00 bis 17:00 Uhr.

Der Eintritt in den Königlichen Burgers‘ Zoo (bis zum 31. März 2015) beträgt für Erwachsene 19,50 Euro, für Kinder (4 bis 9 Jahre) 17,50 Euro und für Senioren (ab 65, mit gültigem Ausweis) 18,50 Euro.

Weitere Informationen auf  www.burgerszoo.de.

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