Tierische Darsteller im Film und Fernsehen

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Haustiere sind längst mehr als vierbeinige Begleiter im Alltag, denn sie sind Kuscheltier, Seelentröster und manchmal auch Ansprechpartner. Dieses Multitalent hat auch die Film- und Fernsehindustrie längst erkannt und so manch einen haben Lassie, Fury oder Black Beauty und Garfield bereits in seiner Jugend begleitet und durch so manch schlaflose Nacht begleitet. Manchmal wurde sogar der besondere Sinn der Tiere medial in Wirkung gesetzt, etwa beim allseits beliebten Kommissar Rex.

Hunde sind auch filmtechnisch treue Begleiter

Eine ganze Generation Kinder ist mit dem allseits helfenden und treuen Collie „Lassie“ aufgewachsen. Der angeblich berühmteste Hund der Welt und seine zahlreichen verfilmten Geschichten wurde 1938 geschaffen und haben über Jahrzehnte die Zuseher begeistert. Sowohl der Film 1943 als auch die TV-Serie waren Publikumshits und begeisterten Jung und Alt. Dass für die Darstellung vor der Kamera eigentlich nur Rüden verwendet wurden, obwohl „Lassie“ eindeutig eine Hündin war, störte weder Publikum noch Filmschaffende.

Noch heute bringen viele die Rasse des Collies mit dem Namen des Hundes aus Film und TV-Serie in Verbindung. Man muss aber nicht so weit zurückblicken, um telegene Vierbeiner zu finden. Erst im vergangenen Jahr eroberte Uggie, der Filmhund aus dem Hollywood-Stummfilm „The Artist“ die Herzen der Zuseher und die Trauer war groß, als der kleine Held wegen einer Krankheit eingeschläfert werden musste. Auch „Hachiko“, der angeblich treueste Hund der Welt, kam an der Seite von Richard Gere zu Filmehren. Die Verfilmung der wahren Geschichte von der Treue des Tiers über den Tod des Besitzers hinaus lockte nicht nur Massen in die Kinos, sondern rührte auch zu Tränen.

Katzen auch als Nebendarsteller einfach ein Hit

Neben dem Hund rangiert die Katze in der Beliebtheitsskala der Bevölkerung ganz oben. Und wer sich jetzt fragt, ob dies auch für das Film- und Fernsehgeschäft gilt, der muss mit einer doppeldeutigen Antwort leben. Denn auch wenn in den Filmstudios die Fellnasen stark vertreten sind – man denke an Garfield, Tom & Jerry oder die Aristocats -, so spielen sie in der realen Filmwelt meist nur eine Nebenrolle. Und doch sind sie aus dem Filmgeschäft nicht wegzudenken. Auch diese Geschichte der felligen Darsteller begann früh, immerhin gab es „Pepper the Cat“ bereits zu Stummfilmzeiten. Marc Sennett von den Keystone Studios nahm die kleine Katze bei sich auf und gab ihr in mehreren Filmen die Hauptrolle. Damit waren die ersten Katzenfilme geschaffen, die bis heute ihre Fangemeinde haben. Unvergessen sind in der Folge edle vierpfotige Geschöpfe wie Orangey, die Katze, die Audrey Hepburn in „Frühstück bei Tiffanys“ begleitete.

Eine ganz besondere Filmgeschichte legte die Katze Paul hin, die im Film „Der Pate“ 1971 auf dem Schoß von Marlon Brando in der Hauptrolle schnurrte. Eigentlich sollte gar kein Tier vorkommen, doch im Studio gab es Paul, der Mäuse fing und anschließend eine Idee des Regisseurs, die bis heute legendär ist. Auch in Filmen wie „Matrix“ an der Seite von Keanu Reeves oder aber in einigen James-Bond-Streifen ist ein schnurrendes Tier zu sehen, das den Filmen neben Eleganz auch einen Hauch Besonderheit verleiht – einige weitere berühmte Filmkatzen stellt Arte vor. Ganz abgesehen von diesen filmischen Einlagen sind Katzen außerdem die ungekrönten Könige des Internets und gerade auf Video-Plattformen auf YouTube nahezu allgegenwärtig.

Auf dem Rücken der Pferde – Mädchenträume werden wahr

Es gibt wahrscheinlich kaum ein junges Mädchen, das nicht pferdebegeistert ist. Dem tragen natürlich auch Film und Fernsehen Rechnung – und das schon seit Jahrzehnten. Mit den Abenteuern des Zirkusjungen Silas oder des edlen Hengstes Black Beauty wurden schon in den späten 1970er Jahren des vorigen Jahrtausends die Mädchenherzen erobert und die Industrie der Pferdeszene unterstützt. Die Geschichte des Fohlens, das einem Jungen geschenkt und vom Vater beim Kartenspielen verloren wird, begeisterte Kinder und Jugendliche gleichermaßen, auch wenn der Film insgesamt einige Kritik einstecken musste. Silas, der kleine Zigeunerjunge aus dem Zirkus eroberte in einer Weihnachtsfilmserie die Herzen der Zuseher. Vom Zirkusdirektor malträtiert, kann er flüchten und gewinnt einen starken schwarzen Hengst, der ihm fortan zur Seite steht. Die Abenteuer sorgten 1981 für gute Einschaltquoten und machten nicht nur das Pferd berühmt, sondern auch den kindlichen Hauptdarsteller Patrick Bach.

Auch die Stute Flicka gelangt zu filmischen Ehren, nachdem ihre Existenz in den Büchern von Mary O’Hara die Welt erblickt hatte. Der Rancher-Sohn Ken erlebt auf dem Rücken der stolzen Stute so manches Abenteuer, das in zwei Filmen bzw. einer Neuverfilmung die Kinokassen klingeln und die Herzen pferdebegeisterter Mädchen höher schlagen ließ. Mit dem Thema Pferd im Film beschäftigt sich auf etwas andere Art der erfolgreiche Kinofilm „Im Rennstall ist das Zebra los“, der 2005 in die Kinos kam. Das von einem Wanderzirkus zurückgelassene Zebrajunge kommt auf eine Ranch, deren Besitzertochter davon träumt, Jockey zu werden. Mit viel Liebe zum Detail und zur Komödie umgesetzt, begeisterte der Film in Deutschland zahlreiche Zuseher, vor allem da sich für die Synchronisation namhafte deutsche Schauspieler wie Iris Berben, Günther Jauch oder Mario Adorf und Moritz Bleibtreu gewinnen ließen.

Pferde sind darüber hinaus aber auch bekannt dafür, sehr passable „Requisiten“ abzugeben, denn in etlichen Filmen stellen sie das Transportmittel der Wahl dar und insbesondere in Kriegsszenen müssen die Vierbeiner einen kühlen Kopf bewahren. Damit die eigentlichen Fluchttiere nicht zurückschrecken und kontrolliert reagieren, bedarf es einer professionellen Stunt-Ausrüstung, die meist viele Jahre dauert – hier wird schnell deutlich, wie diszipliniert und intelligent gut ausgebildete Pferde sich verhalten. Ein Beitrag auf ZooRoyal erklärt, wie eine solche Ausbildung genau funktioniert.

Auch Wildtiere schafften es vor die Kamera

Neben den beliebten Haus- und Hoftieren gab es auch immer wieder einmal Wildtiere, die eine Karriere vor der Kamera starteten. Manchmal in lustigen und unterhaltsamen Filmen und Serien, die vielen noch heute in Erinnerung sind, manche auch in eher martialisch besetzten Darstellungen. Unvergessen natürlich dazu der Film „Tarzan“, der nicht nur Jonny Weissmüller zum Star machte, sondern auch den ihn durchs Leben begleitenden Schimpansen.

Sieht man sich die Filmgeschichte der wilden Tiere genauer an, findet man zahlreiche Rollen und Szenen, die mit Affen – Schimpansen, Gorillas oder sogar Orang-Utans – besetzt sind. Das kann zum einen mit der manchmal verblüffenden Ähnlichkeit zum Menschen erklärt werden oder aber einfach mit der Lust zur Inszenierung, die manche Tiere so aufweisen.

Unvergessen für alle Fans von filmischen Film- und Serienerlebnissen ist die Serie Daktari, die Anfang der 70er Jahre über die Bildschirme flimmerte. Die vorlaute Schimpansin Judy und der schielende Löwe Clarence begeisterten die kleinen Zuseher und gaben Einblick wie es sich auf einer Safari-Ranch so lebt und welche Abenteuer es zu bewältigen gibt.

Und dann muss in Sachen Wildtieren vor der Kamera natürlich auch noch der kluge Delfin Flipper erwähnt werden. Auch wenn im Nachhinein die Haltung und Abrichtung des Tieres scharf kritisiert und die Serie damit bei Tierschützern in Ungnade fiel, war der schlaue Meeressäuger unterhaltsamer Begleiter während vieler Filmstunden für Jungs und Mädchen in den 1960er Jahren.

Wie machen die das mit den Tieren?

Begeistertes Publikum und Fans der Tiere vor der laufenden Kamera genießen einfach die szenische Darstellung, die so einfach und gekonnt und gar nicht erzwungen aussieht. Doch eines ist klar: ob Lassie, Fury oder Charley – sie alle müssen mit Hilfe von Tiertrainern geschult werden, was sie vor der Kamera zu tun haben. Abgesehen davon, dass es tatsächlich im Vorfeld ein Casting für die talentierten Tiere gibt, das entscheidet ob sie für die Rolle geeignet sind. Tiercoaches oder Tiertrainer sorgen dann dafür, dass sie auch entsprechend der gewünschten Szene agieren. Wichtig ist vielen Regisseuren und Produzenten, dass alles mit möglichst wenig Druck erfolgt. Als herausragend gilt hier übrigens der Film „Planet der Affen“, denn tatsächlich hat der Hollywood-Realfilm, in dem der kluge Schimpanse Caesar die Hauptrolle spielt, komplett auf den Einsatz tierischer Komparsen verzichtet – einen umfassenden Artikel hat diesbezüglich auch Peta verfasst.

Ansonsten wird den Tieren mit Hilfe spezieller Tricks und psychischen Tricks wie dem von Pavlov ein bestimmtes Verhalten eingelernt. Eine besondere Herausforderung ist zudem, dass Hund, Katze oder Affe eine Szene nicht nur einmal drehen müssen, sondern manchmal bis zu zehn Mal. Da gilt es die Begeisterung des Tieres ohne Druck aufrechtzuerhalten, was laut Insidern der Tiertrainer am besten gelingt, in dem man den Spieltrieb aufrechterhält. Oder aber mehrere Tiere, die sich ähnlich sehen, für eine Rolle verwendet werden. Dies war etwa bei der Serie „Charley“ der Fall, wo sich drei Schimpansen die Figur des familientreuen, aber manchmal Unfug stiftenden Schimpansen teilten. Auch Kommissar Rex ging in mehrfacher Ausführung auf Verbrecherjagd – gemeinsam war den folgsamen Schäferrüden nur die Vorliebe zur Wurstsemmel, die er auch von allen wechselnden Herrchen immer wieder als Belohnung bekam.

Klar ist, dass Tiere für einen Film oder eine TV-Serie immer eine Besonderheit darstellen, sei es als Hauptdarsteller oder in einer eigens definierten Nebenrolle, die in der Folge dann mehr Aufmerksamkeit bekommt als der eigentliche Akteur. Das hat schon der Filmregisseur von „Pretty Woman“ Gerry Marshal, folgerichtig erkannt:

Wenn ich nicht mehr weiter weiß in einer Szene, dann blende ich einfach ein Tier ein.

Ob als Abenteuerheld oder treuer Weggefährte, Hund, Katze und Pferd beweisen sich auf dem Bildschirm oder der Leinwand immer als der wahre Freund und Begleiter und vor allem als unerschütterlich treue Seele. Und Affe, Löwe und Delfin zeigen uns eine abenteuerliche Welt von ihrer Seite und bezaubern durch individuelle Schwächen wie der schielende Löwe Clarence oder aber besondere Vorlieben wie Affe Charley, der allerlei Unfug im Kopf hat und dennoch die Familie des Tierarztes zusammen und auf Trab hält. Wer als Produzent und Regisseur auf die artgerechte Haltung und Abrichtung des tierischen Genossen Wert legt, ist mit solchen Helden immer gut beraten, noch dazu wenn Kindern damit Wissen vermittelt wird und auch Tierschutzorganisationen keine Einwände haben.

TIER.TV


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