Schutzmaßnahmen zum Überleben des Kiebitz

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Inseln für den Kiebitz! Foto: NABU © Thorsten Krüger

Bundesweites Projekt „Sympathieträger Kiebitz“ startet: Mehr als 30 Kiebitzinseln in Deutschland eingerichtet

Noch vor 50 Jahren war der Kiebitz ein Allerweltsvogel, der fast überall auf Feldern und Wiesen in Deutschland vorkam. Heute zählt der Wiesenvogel mit der markanten Haube zu den stark gefährdeten Vogelarten. Um neue Wege zu finden, wie der Kiebitz auch weiterhin auf Äckern und Wiesen überleben kann, hat der NABU ein über das Bundesprogramm Biologische Vielfalt gefördertes Projekt gestartet.

„Der Hauptgrund für den Rückgang des Kiebitzes liegt in der Intensivierung der Landwirtschaft: weder Brutplätze noch Nahrung sind ausreichend vorhanden. Dadurch ist der Kiebitz-Bestand in den vergangenen zwanzig Jahren um mehr als die Hälfte eingebrochen“, erklärte NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller.

Als erste Schutzmaßnahme hat der NABU jetzt gemeinsam mit Landwirten mehrere sogenannte „Kiebitzinseln“ angelegt. Die kleinen Flächen, die innerhalb von Äckern oder Intensivgrünland liegen, sollen den Vögeln Flächen zum Brüten und Nahrungsmöglichkeiten bieten. Die Kiebitzinseln sind von der landwirtschaftlichen Nutzung ausgeschlossen und sollten zu Beginn der Brutsaison möglichst vegetationslos sein.

Bislang wurden 15 solcher Inseln im Grünland in Schleswig-Holstein sowie im Raum Braunschweig eingerichtet. Weitere 17 Kiebitzinseln entstanden oder entstehen zurzeit auf Äckern in Mecklenburg-Vorpommern, auf der Insel Pellworm (Schleswig-Holstein) und im Schwäbischen Donaumoos. „Auf einigen Kiebitzinseln sind bereits Erfolge zu sehen: Schon nach wenigen Tagen haben die ersten Tiere die Inseln angenommen“, berichtet Dominic Cimiotti vom Michael-Otto-Institut im NABU. In den kommenden Wochen soll nun genauer untersucht werden, wie viele Paare sich auf den Flächen ansiedeln und wie hoch ihr Bruterfolg ausfällt.

Im März legten die ersten Kiebitze in Deutschland ihre Gelege an. Im April und Mai folgt dann die Hauptbrutzeit, die auf vielen Wiesen und Äckern allerdings häufig nicht zum Erfolg führt: Bei der landwirtschaftlichen Bearbeitung, beispielsweise durch Schleppen und Walzen, Aussaat oder den Einsatz von Mähmaschinen, werden die Gelege zerstört. Erschwerend kommt hinzu, dass Kiebitze generell im schnell und dicht aufwachsenden Getreide, Mais und Gras kaum geeignete Brutplätze mehr finden. „Mit dem Projekt will der NABU Kiebitz-Schutzmaßnahmen entwickeln und erproben, die auch in die intensive Landwirtschaft integriert werden können“, erklärte der NABU-Bundesgeschäftsführer. Nur so könnten Kiebitze auf großer Fläche geschützt und der Bestandsrückgang gestoppt werden.

Darüber hinaus werden auch im Landkreis Osnabrück und im Münsterland neue Wege getestet: Hier stehen der Schutz von bereits vorhandenen Gelegen und ihrer Küken im Vordergrund. Dazu werden beispielsweise auf Maisäckern zur Kernbrutzeit Ruhezeiten für die Bewirtschaftung festgelegt. Damit soll erreicht werden, dass Gelege und Küken nicht durch die landwirtschaftliche Bearbeitung verloren gehen.

Das Projekt wird für einen Zeitraum von fünf Jahren gefördert durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit sowie Mitteln des Umweltministeriums von Schleswig-Holstein und die Hanns R. Neumann Stiftung.

Weitere Hintergrundinformationen zum Projekt unter www.kiebitzschutz.de

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