Der Luchs ist eine faszinierende Großkatze

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Scharfe Augen, Pinselohren und Höchstgeschwindigkeiten von bis zu 70 Kilometern pro Stunde: Der Luchs ist eine ganz besondere Katze. Christian Lux vom Luchsprojekt Harz und Diplom-Biologin Sybille Wölfl vom Luchsprojekt Bayern erläutern die wichtigsten Merkmale des katzenartigen Raubtieres.

Mit seinen eindrucksvollen Körpermaßen gilt der Luchs als die größte Katze Europas. Die Kopfrumpflänge eines ausgewachsenen Luches kann zwischen 80 und 120 Zentimeter und die Schulterhöhe 50 bis 70 Zentimeter betragen. Besonders auffallend sind die markanten Haarbüschel an den Ohrspitzen. Die „Pinselohren“ gelten neben dem Stummelschwanz als das Markenzeichen des Luches. “Alle Katzenartigen vereint diese attraktive Mischung aus Geschmeidigkeit, Kraft und Eleganz. Da ist der Luchs keine Ausnahme,” erläutert Diplom-Biologin Sybille Wölfl vom Luchsprojekt Bayern die Besonderheiten des Luchses “Seine Pinselohren, der kurze Stummelschwanz und der Backenbart heben ihn aber äußerlich aus der sonstigen Katzenwelt heraus.”

Gutes Gehör, scharfe Augen und perfekt getarnt

© Luchsprojekt Bayern

Die nachtaktive Raubkatze besitzt hellhörige Ohren und ein scharfes Sehvermögen. In der Dunkelheit sind die Augen des Luchses sechsmal lichtempfindlicher als die des Menschen. Der Kopf wirkt wegen des ausgeprägten Backenbartes rundlich. Die Augenfarbe ist gelblich bis ockerfarben mit schwarzen Pupillen. Je nach Region wiegt ein männlicher Luchs 20 bis 25 Kilogramm. Weibchen sind im Durchschnitt leichter als die männliche Tiere und wiegen etwa 15 bis 20 Kilogramm. Farblich zeichnet sich der Luchs durch sein geflecktes Fell aus. Die Fellzeichnung gibt dem Luchs eine ausgezeichnete Tarnung. Je nach Art und Rasse sind auch unterschiedliche Färbungen von rötlich-braun mit dunklen Flecken bis grau-beige mit weniger deutlichen Flecken möglich.

Sprinter mit Spitzengeschwindigkeit

Der Luchs unterscheidet sich äußerlich von anderen Katzen durch seine Hochbeinigkeit. Die Vorderbeine des Luchses sind etwas kürzer als seine Hinterbeine. Für den „Pirsch-” und Lauerjäger“ ist dies von Vorteil: Die langen Hinterbeine begünstigen ein schnelles Zusprinten auf Beutetiere wie Rehe, Hasen und Mäusen. Bei diesen Kurzsprints kann der Luchs eine Geschwindigkeit von fast 70 Kilometern pro Stunde erreichen. Im Winter verhindern die großen Pranken, dass der Luchs tief im Schnee einsinkt. Seine Spuren sind auffallend rund und meist ohne Krallenabdrücke, da die Krallen während des Laufens in die Hauttaschen zurückgezogen werden. Seine Luchsfährten sind etwa dreimal größer als die einer normalen Hauskatze.

Geselligkeit nur in der Ranzzeit

Als nachtaktiver Einzelgänger sucht der Luchs nur zur Paarungszeit, der sogenannten Ranz, die Gesellschaft seiner Artgenossen. Die Ranz dauert von Februar bis April. In dieser Zeit sind kehlig-heisere Ranzrufe beider Geschlechter zu vernehmen. Trifft ein Männchen auf eine paarungsbereite Luchsin, hält es sich mehrere Tage in ihrer Nähe auf und macht ihr den Hof. Dabei neigen die Tiere dazu, ihr Revier mit ihrem stark riechenden Urin zu markieren. Manchmal kommt es auch unter den Männchen zu Kämpfen um das Paarungsrecht. Männliche Luchse werden übrigens als Kuder und die Weibchen als Katze bezeichnet.

Von Geburt an blind

© Luchsprojekt Bayern

Nach einer Tragzeit von etwa 73 Tagen bringt die Katze durchschnittlich ein bis drei Junge zur Welt. Die Jungtiere werden behaart geboren, sind aber während der ersten 16 bis 17 Lebenstage blind. “Wie für Katzen üblich werden die Jungtiere allein von der Katze versorgt. Das Männchen kann in der Nähe von Mutter und Jungtieren leben. Es kümmert sich jedoch nicht um die Aufzucht des Nachwuchses,” äußert sich Forstingenieur Christian Lux vom Luchsprojekt Harz über die Aufzuchtgewohnheiten des Luchses.

Die anfangs hilflosen Nesthocker werden von dem Muttertier maximal bis zu einem Alter von fünf Monaten gesäugt. Ab der achten Woche beginnen sie auch an der Beute der Mutter mitzufressen. Die Jungtiere bleiben die ersten zehn Monate bei Ihrer Mutter. Danach begeben sie sich auf Wanderschaft und suchen sich ihr eigenes Revier. Weibliche Jungluchse sind nach dem 21. Lebensmonat fortpflanzungsfähig. Die männlichen Jungtiere dagegen erreichen ihre Geschlechtsreife erst nach dem 33. Lebensmonat.

Jungtiere in Gefahr

Die Jungensterblichkeit ist bei den Luchsen sehr hoch und liegt bei durchschnittlich 75 Prozent. Die häufigste Todesursache freilebender Luchse ist menschenbedingt: illegale Nachstellung sowie Strassen- und Bahnverkehr. Jungtiere sind besonders anfällig für bakterielle und virale Erkrankungen wie Pseudotollwut oder Tuberkulose. “Die Jungtiere sind vollkommen abhängig von ihrem Muttertier. Falls der Mutter etwas zustößt, ist kein Vater vorhanden, der einspringen könnte, um die Jungtiere mit Nahrung zu versorgen,” erklärt der Luchsbeauftragte Christian Lux. “Durch Hunger geschwächt werden sie anfälliger für Krankheiten, an denen sie meistens sterben.” In der freien Wildbahn fallen junge Luchse auch leicht anderen Fressfeinden, wie etwa Wölfen oder Braunbären, zum Opfer. Ausgewachsene Tiere sind dagegen kaum durch andere Raubtiere gefährdet. In der freien Wildbahn können Luchse zehn bis 15 Jahre alt werden. In Gefangenschaft gehaltene Tiere erreichen ein Lebensalter von bis zu 25 Jahren.

Wald mit Wildwechsel bevorzugt!

Luchse leben bevorzugt in wald- und wildreichen Gebieten. Große Waldareale mit dichtem Unterholz bieten ihnen ideale Jagdbedingungen. Durch ihr geflecktes Fell erreichen sie im Wald eine optimale Tarnung und können so ihren Opfern unbemerkt auflauern. Nach Angaben der International Union for Conservation of Nature and Natural Resources (IUCN) gilt der Luchs als „nicht gefährdete“ Tierart. “Der Luchs ist in seinem gesamten europäisch-asiatischen Verbreitungsgebiet nicht gefährdet. Allerdings ist die zentraleuropäische Population stark zersplittert und es bestehen nur noch kleine Restvorkommen,“ erklärt Diplom-Biologin Sybille Wölfl vom Luchsprojekt Bayern. “Hier setzen Wiederansiedlungsprojekte an, um kleine Bestände aufzustocken oder neue Bestände zu gründen, die später miteinander verbunden werden können.”

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