Energiespartipps der Zugvögel

 Segeln statt Flattern

Segeln statt Flattern © Christophe SAUVEUR – Fotolia

Zugvögel legen bei ihrer Reise in südliche Gefilde riesige Strecken zurück. Wie machen sie das und wie verhindern sie schnelles Ermüden?

Zugvögel schonen ihre Kräfte

Große Vögel wie Störche sparen auf ihrem Zug Kraftreserven, indem sie während des Fluges auf thermischen Strömungen dahinsegeln. Bei kleineren Zugvögeln war dieses Verhalten bisher nicht bekannt. Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Ornithologie in Radolfzell und der Ben-Gurion-Universität des Negev beobachteten erstmals europäische Bienenfresser auf ihrer Zugroute mithilfe von Radiotransmittern.

Zugvögel: Im Gleitflug durch die Lüfte

Wenn wir an Vögel denken, die majestätisch ohne einen Flügelschlag durch die Luft gleiten, stellen wir uns große Arten vor wie den Weißstorch oder einen Greifvogel auf der Futtersuche. Diese Flugmuster großer Zugvögel wurden bereits genau untersucht. Ornithologen wissen viel über ihre Fluggeschwindigkeit, die zurückgelegten Entfernungen und den Anteil verschiedener Flugtechniken während der Reise der Zugvögel. Bei kleineren Vögel nahm man lange an, sie könnten wegen ihrer geringen Muskelkraft und der kleineren Flügel nicht im selben Maße gleiten und Kraftreserven sparen. Außerdem, so die bisherige Meinung unter Vogelkundlern, würden die Zugvögel im Gleitflug langsamer.

Zugvögel: Segeln ist energiesparend und trotzdem schnell

Zugvögel schonen ihre Kräfte

Nun untersuchten Wissenschaftler der Ben-Gurion Universität des Negev, der Universität Jerusalem und Martin Wikelski vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Radolfzell erstmals den Energieverbrauch kleiner Zugvögel im Freiland. Dazu statteten sie einige Bienenfresser mit Sendern aus. Mit den empfindlichen Geräten konnten sie jeden Flügelschlag, die Herzrate und die Fluggeschwindigkeit der Zugvögel messen.

„Bei der Auswertung der Messergebnisse waren wir überrascht zu sehen, dass die Bienenfresser häufig zwischen Segelflug und Ruderflug wechselten und dass zudem die Herzschlagfrequenz während des Segelfluges nur halb so groß war“, sagt Martin Wikelski. „Die Vögel benötigen beim Gleiten ebenso wenig Energie wie im Ruhezustand auf einem Ast oder im Nest.“

In voran gegangenen Studien zu größeren Zugvögeln wurde dagegen eine um 30 Prozent höhere Herzrate beim Gleitflug als beim Rasten gemessen. Diese Flugtechnik stellt also für kleine Zugvögel eine deutlich höhere Kraftersparnis dar als für größere Arten. Auch ein Geschwindigkeitsverlust konnte nicht festgestellt werden.

Das Ergebnis dieser Studie beantwortet nicht nur die Frage, ob auch kleine Zugvögel während ihrer langen Reise segeln oder gleiten können: Sie sind dabei sogar gleich schnell und verbrauchen weniger Kraftreserven.

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