Insekt des Jahres : Die Große Kerbameise

Sensibler Waldarbeiter ganz groß

Sensibler Waldarbeiter ganz groß © TIER.TV

Wer im Wald spazieren geht, trifft häufig auf aufgeschichtete Haufen aus Grashalmen. Darin leben echte Stars: Die Große Kerbameise wurde stellvertretend für alle Waldameisen zum Insekt des Jahres 2011 gewählt.

Die große Kerbameise

Insekten erscheinen uns häufig fremdartig oder werden als Schädlinge oder Lästlinge abgetan. Doch diese Tiergruppe ist die artenreichste überhaupt: Schätzungen zufolge gibt es bis zu 80 Millionen Tierarten – und davon sind wahrscheinlich 90 Prozent Insekten. Grund genug, dieser Spezies mehr Aufmerksamkeit zu schenken: Seit 1999 wählt ein namhaftes Kuratorium aus Wissenschaftlern und Insektologen das „Insekt des Jahres“, um auf gefährdete Arten aufmerksam zu machen.

Eine Kerbe gab den Namen

Die Große Kerbameise wird etwa sieben bis acht mm groß. Kopf und Hinterleib sind braun-schwarz gefärbt. Die für Ameisen typische Taille ist auffallend rot und durch das stielartige erste Segment des Hinterleibs besonders lang. Hier befindet sich eine aufrechte Schuppe, die eingekerbt ist. Zu erkennen ist die Kerbameise auch an einer Delle am Hinterkopf. Den Winter verbringt die Große Kerbameise in ihrem Bau, der bis zu 1,5 m hoch aufgeschichtet sein kann. Die Brut wird nur in den Sommermonaten aufgezogen. Dabei werden die Puppen und madenförmigen Larven in Kammern mit der richtigen Temperatur gebracht, je nach Wetter und Sonneneinstrahlung. Die Nahrung aller Waldameisen besteht zum großen Teil aus Honigtau – also dem zuckerhaltigen Kot von Blattläusen. Außerdem fressen sie Aas, sowie andere Insekten wie beispielsweise Raupen.

Arbeiter und Königinnen im Wald

Wie alle Ameisenarten bilden die Tiere riesige Staaten, bestehend aus mehreren hunderttausend Individuen. Die Rollen im Ameisenstaat sind klar verteilt: Flügellose Arbeiterinnen kümmern sich ums „Tagesgeschäft“, wie z. B. Futtersuche, Aufzucht des Nachwuchses und Nestbau. Die männlichen Ameisen leben nur sehr kurz und haben einzig und allein die Aufgabe, die Königinnen auf einem Hochzeitsflug zu befruchten. Die Herrscherinnen können dagegen bis zu 20 Jahre alt werden.

Spezieller Duft dient zur Orientierung

Die Ameisenköniginnen kennzeichnen ihre Untertanen mit einem speziellen Duft und halten den Staat zusammen. Denn mit diesen Geruchsstoffen markieren die fleißigen Ameisen ihre „Straßen“ – Nahrungsquellen oder eben der Heimweg zum Bau sind so leicht zu finden. Treffen zwei Waldameisen aufeinander, erkennen sie am Geruch, ob es sich um einen Kollegen handelt. Überhaupt sind Ameisen faszinierende Insekten: Auf ihren Fühlern befinden sich tausende von Sinneszellen, mit denen die Tiere riechen, schmecken – ja sogar die Temperatur messen und den Kohlendioxidgehalt der Luft bestimmen können. Deshalb: Die Ameisenhaufen keinesfalls zerstören, sondern das geschäftige Treiben aus einiger Entfernung beobachten!

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