Tiermediation – effektives Konfliktlösungsverfahren

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Macht Mediation bei Konflikten rund ums Tier viel Sinn?

Fünf Fragen und Antworten zu dem effektiven Konfliktlösungsverfahren

Wie ein Mediationsverfahren genau abläuft, konnten Sie ja bereits hier bei TIER.TV in ihrem Artikel „Tiermediation- wenn es Ärger ums Tier gibt“ lesen. Heute beantwortet Christina Wenz fünf Fragen, die ihr als Tiermediatorin häufig gestellt werden.

1. Was ist Mediation eigentlich?

Mediation ist ein Verfahren, das hilft, Streit friedlich zu lösen. Mediation ist oft eine gute Alternative zu Gerichtsverfahren – der große Vorteil ist hierbei, dass eine Lösung entwickelt wird, mit der alle Beteiligten gut leben können und nicht nur eine Seite.

2. In welchen Streitfällen rund ums Tier ist Mediation möglich?

Hieraus gibt es eine klare Antwort: in allen! Sei es ein Streit zwischen Nachbarn wegen Hundegebell, Ärger im Pensionsstall, wenn die Einsteller mit der Haltung der Pferde unzufrieden sind oder ein drohender Rechtsstreit zwischen Züchter und Katzenkäufer, wenn bei dem Vierbeiner kurz nach dem Kauf eine Krankheit aufgetreten ist – Mediation kann helfen.

Es gibt nur eine absolute Voraussetzung: alle Beteiligten müssen bereit sein, sich an einen Tisch zu setzen und gemeinsam eine Lösung zu entwickeln, mit der alle Beteiligten zufrieden sind. Wer nicht bereit ist, mit dem anderen zu sprechen oder unbedingt Recht bekommen möchte, für den ist der Gang vor Gericht die bessere Alternative.

Ein Pluspunkt von Mediation: das Verfahren ist auch da möglich, wo ein Gerichtsverfahren nicht durchgeführt werden kann, weil keine Rechtsnorm verletzt wurde. Ein Streit zwischen mehreren Einstellern in einem Reitstall oder zwischen Mitgliedern eines Hundevereins etwa kann alle Beteiligten sehr belasten – wird aber in der Regel kein Gericht interessieren. Mit Unterstützung eines Mediators kann man auch in diesen Fällen eine Lösung erarbeiten, mit der alle Beteiligten zufrieden sind.

Was viele nicht wissen: Mediation kann man auch vorbeugend durchführen, um das Entstehen von Streit zu vermeiden. Wenn sich etwa ein Paar trennt, das einen gemeinsamen Hund hat, kann man mit Hilfe von Mediation frühzeitig klare Regelungen darüber treffen, wer den Hund künftig wann versorgt, damit es später nicht zu Streit kommt.

3. Warum macht Mediation bei Konflikten rund ums Tier sehr viel Sinn?

Einen Grund warum Mediation bei Krach rund ums Tier so viel Sinn macht, erkläre ich am Besten anhand eines Beispiels: in letzter Zeit wurden häufiger Fälle an mich herangetragen, bei denen es nach dem Kauf eines Pferdes zu Streit zwischen Käufer und Verkäufer kam – etwa weil das Pferd sich als krank herausstellte oder laut Käufer über zugesicherte Eigenschaften nicht verfügte. Schnell sind die Fronten so verhärtet, dass ohne einen außenstehenden Dritten keine Einigung möglich ist.

Ein denkbarer Weg wäre nun der Gang zum Anwalt bzw. vor Gericht. Ein Gerichtsverfahren würde allerdings in der Regel Monate dauern. So lange hätte der Käufer das Pferd im Stall stehen, ohne zu wissen, ob er es nun zurückgeben kann. Dies ist eine Situation, die man besser sowohl dem Pferd als auch dem Pferdekäufer erspart. Tier – und menschengerechter ist es hier, eine schnelle Lösung zu finden. Dies ist mit Hilfe von Mediation möglich. Meist kann man innerhalb weniger Tage den ersten Mediationstermin anberaumen und dann innerhalb von zwei bis drei Terminen eine gute Lösung finden.

Ein weiterer Grund, warum Mediation gerade bei Streitfällen rund ums Tier so viel Sinn macht, ist, dass diese Situationen oft emotional sehr aufgeladen sind. Wenn es um das Wohl des Vierbeiners geht, kochen die Emotionen schnell über, und man findet sich ruck zuck in einer sehr belastenden Situation wieder. Da, wo ein Gerichtsverfahren nur juristische Aspekte berücksichtigen kann, können in einem Mediationsverfahren auch das Wohl des Tieres und auch die Bedürfnisse des Tierhalters Beachtung finden.

4. Was genau ist die Aufgabe des Mediators?

Der Mediator führt die Beteiligten durch das Verfahren und trägt die Verantwortung für dessen Ablauf. Er gibt im – Gegensatz zu einem Richter oder Schlichter – keine Lösung vor. Stattdessen hilft er den Beteiligten dabei, selbst eine Lösung zu finden, die zu ihnen und der Situation passt.

5. Wie finde ich einen geeigneten Tiermediator?

Anwälte, die auf Tierrecht spezialisiert sind, gibt es mittlerweile viele – Mediatoren, die im Bereich Mediation rund ums Tier tätig sind nur sehr wenige. Generell ist es nicht einfach, einen geeigneten Mediator zu finden, da der Begriff „Mediator“ gesetzlich nicht geschützt ist.  Die Vielzahl der Mediationsausbildungen ist groß und reicht vom Wochenendkurs bis zum mehrjährigen Studium. Es ist also immer empfehlenswert, sich genau zu erkundigen, welche Ausbildung ein Mediator genossen hat, bevor man ihn beauftragt. Grundsätzlich empfehle ich, im Internet z.B. bei den Berufsverbänden nach einem geeigneten Mediator zu suchen.

Christina Wenz

Christina Wenz

Christina Wenz ist Mediatorin und Volljuristin. Nach langjähriger Tätigkeit im Notariat und in Führungspositionen an verschieden Universitäten absolvierte sie eine umfangreiche Ausbildung zur Mediatorin an der Universität Heidelberg und dem Heidelberger Institut für Mediation.
www.mediation-wenz.de

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